Wiener-Kammeropern-Saison 06/07

1. Juni 2006, 11:30
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Zwei Uraufführungen, aber eine Produktion weniger geplant

Wien - "Hervorragendes Publikum, sehr gute Auslastung und permanenter Geldmangel - das ist die Wiener Kammeroper." Mit diesen Worten hat am Mittwoch das Direktorenteam Holger Bleck und Isabella Gabor die Vorschau auf die Saison 2006/07 begonnen. Auf Grund des knappen Budgets werde es in der kommenden Laufzeit nur vier statt wie bisher fünf Produktionen geben, darunter fallen zwei Uraufführungen sowie eine österreichische Erstaufführung, erläuterte Bleck. Zuvor wird im Sommer noch die "Zauberflöte - gekürzt" anlässlich des Mozartjahres wieder aufgenommen.

"Wir wollen nicht unauffällig sein"

Begonnen wird die neue Saison am 7. November mit der Uraufführung des US-amerikanischen Kammermusicals "A Good Man" von Ray Leslee, dessen "Avenue X" Ende 2004 bereits von der Kammeroper in Europa erstaufgeführt wurde. "A Good Man" in der Inszenierung von Esther Muschol handelt von einem Schwarzen, der sein Haus weiß anmalen will und sich plötzlich im Mittelpunkt des Gemeinde-Interesses wieder findet. "Die Stücke repräsentieren immer auch die gesellschaftliche Situation", meinte Bleck: "Wir wollen nicht unauffällig sein."

Im Februar folgt die bunte und vielfältige Barock-Oper "Agrippina" von Georg Friedrich Händel. Diese stelle "eine unerhört grausame Welt dar, in der sich die Menschen Arien singend zerfleischen", und sei doch gleichzeitig eine "Seitenblicke"-artige Komödie. Einen "britischen Abend" gestaltet Ende März Nicola Raab mit dem als TV-Oper konzipierten Musiktheater "When She Died" von Jonathon Dove und den "Eight Songs For A Mad King" von Peter Maxwell Davies.

Sozial gestaffelte Anhebung der Kartenpreise

Nino Rotas Opera buffa "I due timidi" wird schließlich in der Inszenierung von Paul Flieder als österreichische Erstaufführung zu sehen sein. Es sei eine "sehr filmisch gedachte Oper", so Flieder. Schließlich wurde Rota als Komponist für Fellini bekannt und schrieb auch die Musik für Coppolas "Der Pate", die in der Oper für die Rahmenhandlung verwendet wird. Lob gab es von Flieder für die Kammeroper selbst: "Hier wird unter sehr schweren Bedingungen sehr innovatives Musiktheater gemacht", während anderswo immer dasselbe auf die Bühne gebracht werde.

Mit dem "anderswo" wurde wohl nicht zuletzt auf die Volksoper angespielt. Bleck wünschte dem heute neu bestellten Direktor Robert Meyer "viel Erfolg", man konzentriere sich jedoch auf das eigene Haus. Die vergangene Saison sei mit rund 82 Prozent Gesamtauslastung, 20.000 Zuschauern bei 80 Vorstellungen und einem Budget von 2,8 Millionen Euro abgeschlossen worden - und vor allem ohne Verluste, so Bleck. Dennoch habe man - nicht zuletzt mit der gestrichenen Produktion - erhebliche Kürzungen hinnehmen müssen, was für die kommende Saison u.a. zu einer sozial gestaffelten Anhebung der Kartenpreise führt. Blecks Wunsch: "300.000 bis 400.000 Euro mehr wären ideal." Dann wäre etwa auch eine Romantikoper möglich, die im neuen Spielplan eindeutig fehle. (APA)

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