Früherer Linksextremist Bompressi begnadigt

9. Juni 2006, 15:58
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Akt von Staatschef Napolitano unterzeichnet

Rom - In Italien ist einer der bekanntesten ehemaligen Linksextremisten, Ovidio Bompressi, begnadigt worden. Der Begnadigungsakt wurde von Staatschef Giorgio Napolitano auf Grund eines Antrags des Justizministeriums unterzeichnet, verlautete am Mittwoch in Rom. Bompressi war gemeinsam mit zwei Gesinnungsgenossen, Adriano Sofri und Giorgio Pietrostefani, wegen des Mordes an einem Polizisten im Jahr 1972 zu 22 Jahren Haft verurteilt worden.

Die drei standen an der Spitze der Bewegung "Lotta Continua" (LC). Ihre rechtskräftige Verurteilung bildete den Abschluss von insgesamt sieben Prozessen mit teilweise widersprüchlichem Ausgang. Die drei Männer waren erst 1988 von einem ehemaligen LC-Mitglied des Mordes bezichtigt worden. Die Freilassung Bompressis erfolgte 1998 mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit. Seit Jahren hatte Bompressi um die Begnadigung gebeten.

Der neue italienische Justizminister Clemente Mastella hatte am Dienstag seine Zustimmung zur Begnadigung von Bompressi und Sofri gegeben. "Ich bin bereit, die Dokumente zu Sofris Begnadigung noch bis Jahresende zu unterzeichnen. Das letzte Wort muss aber Präsident (Giorgio) Napolitano haben", sagte Mastella in einem Interview mit dem italienischen Magazin "Gente".

Sofri hat bisher zehn Jahre in einem Gefängnis in der Toskana seine Haft abgesessen. Im vergangenen November musste er wegen Magenproblemen notoperiert werden. Seitdem ist er wegen seiner Gesundheitsprobleme nicht mehr ins Gefängnis zurückgekehrt. Im Gegensatz zu Bompressi hatte er jedoch kein Begnadigungsgesuch eingereicht. (APA)

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