IKRK: Konflikt in Somalia könnte blutigster in Afrika werden

12. Juni 2006, 15:27
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Mindestens drei Tote bei neuen Kämpfen nahe Mogadischu

Genf/Mogadischu - Der bewaffnete Konflikt in Somalia droht nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz der blutigste in Afrika zu werden. Mit Blick auf die Opfer direkter Gewalt herrsche in Somalia "eine besonders schlimme Lage, wenn nicht die schlimmste", sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger in Genf. Das IKRK stellte am Donnerstag seinen Jahresbericht 2005 vor, der als wichtiger Gradmesser für Gewalt in der Welt gilt.

Laut Kellenberger wurden seit Beginn der Kämpfe im Februar mehr als 1.700 Verletzte in IKRK-Krankenhäusern in Somalia behandelt, davon rund tausend allein im Mai. Nichts deute auf eine Verbesserung der Lage hin. Das IKRK denke daher über eine Verstärkung seines chirurgischen Personals in dem ostafrikanischen Land nach.

Von Platz 11 auf Platz vier

Im vergangenen Jahr rangierte Somalia in Bericht des IKRK auf Platz elf der Konfliktherde weltweit; in diesem Jahr dürfte es dem Komitee zufolge auf Platz vier vorrücken, gleichrangig mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt. In Somalia kämpfen seit Februar islamistische Rebellen gegen eine von den USA unterstützte Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terrorismus (ARPCT). In dem Land am Horn von Afrika herrscht seit 1991 Bürgerkrieg.

Am Dienstag hatte das IKRK scharf gegen die Besetzung des größten Krankenhauses in der Hauptstadt Mogadischu protestiert. Schwer bewaffnete ARPCT-Milizionäre halten das Hospital seit Montag besetzt. Zahlreiche Patienten mussten es verlassen.

Bei neuen Kämpfen zwischen Islamisten und der Kriegsherren-Allianz wurden am Donnerstag mindestens drei Menschen getötet und sieben weitere verletzt. ARPCT-Kämpfer griffen eine Stellung der Islamisten am nördlichen Stadtrand von Mogadischu an, wie Einwohner eines nahen Dorfes berichteten. Insgesamt mehr als 500 Kämpfer mit Dutzenden Maschinengewehr-bestückten Fahrzeugen seien im Einsatz. Schauplatz der Kämpfe sei das Gebiet zwischen den Ortschaften El Arfid und Dermoley rund 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt. (APA)

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