Ronald Schill verschollen

9. Juni 2006, 18:44
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Untersuchungsausschuss sucht "Richter Gnadenlos" für Aussage - Hamburger Ex-Innensenator soll sich in Rio de Janeiro aufhalten

Hamburg - Der ehemalige Hamburger Innensenator Ronald Schill wird in der Hansestadt für eine Aussage vor einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss gesucht - ist aber offenbar verschollen. Der Ausschussvorsitzende Manfred Jäger (CDU) sagte dem "Hamburger Abendblatt" vom Dienstag, er habe dem Arbeitsstab des Ausschusses den Auftrag erteilt, "alle Möglichkeiten zu eruieren, um an eine ladungsfähige Anschrift von Herrn Schill zu kommen". Bereits für den 7. Juli sei die Befragung Schills vor dem Ausschuss geplant, der zum Teil weit zurückliegende Missstände im geschlossenen Jugendheim Feuerbergstraße aufklären soll.

Generalkonsul eingeschaltet

Wie ein Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion bestätigte, konnten weder Schills Mutter noch zwei Ex-Anwälte Auskunft über den Aufenthaltsort geben. Gerüchten zufolge soll Schill sich seit längerem in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro aufhalten. Laut "Hamburger Abendblatt" hatte der Arbeitsstab des Untersuchungsausschusses sogar den deutschen Generalkonsul in Rio eingeschaltet, ohne Erfolg. Jäger zeigte sich in der Zeitung jedoch zuversichtlich, Schill rechtzeitig ausfindig zu machen.

Der ehemalige Richter hatte sich nach seiner Entlassung durch Bürgermeister Ole von Beust (CDU) im Sommer 2003 und folgenden politischen Niederlagen aus der Politik zurückgezogen. Seine harten Urteile hatten ihm den Spitznamen "Richter Gnadenlos" eingebracht. Bei der Hamburger Landeswahl 2001 hatte seine "Partei Rechtsstaatlicher Offensiven" mit scharfen Tönen gegen Kriminelle und Ausländer auf Anhieb 19,4 Prozent der Stimmen errungen. Die Partei bildete daraufhin eine Koalition mit der CDU. Bürgermeister Beust warf Schill jedoch aus der Regierung, als dieser ihn mit Informationen aus dem Privatleben unter Druck setzen wollte. Bei der folgenden Neuwahl kam die Partei Rechtsstaatlicher Offensive nur noch auf 0,4 Prozent der Wählerstimmen. (APA)

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