Schüssel hätte kein Verständnis für Eisenbahnerstreik

6. Juni 2000, 12:23

"Die Eisenbahner können doch nicht ernstlich in Österreich den Eindruck erwecken, dass sie schlechter behandelt werden als andere Bevölkerungsgruppen."

Wien - Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hätte kein Verständnis für einen Streik der Eisenbahner. Nach dem Ministerrat meinte er: "Die Eisenbahner können doch nicht ernstlich in Österreich den Eindruck erwecken, dass sie schlechter behandelt werden als andere Bevölkerungsgruppen." Vielmehr müsse für alle Berufsgruppen "Gleichbehandlung" gelten.

Dass für die Eisenbahner weiterhin ein niedrigeres Antrittsalter für die Frühpension gelte, verteidigte Schüssel bis zu einem gewissen Grad. Allen müsse klar sein, dass man nicht kurzfristig ein gewachsenes System außer Kraft setzen könne, argumentierte der Kanzler.

Laßt euch nicht "von der Gewerkschaft in Schlepptau nehmen"

Er zeigte sich auch überzeugt, dass in der Bevölkerung kein Verständnis für Sonderwünsche der Eisenbahner bestehe: "Das versteht niemand, das verstehen nicht Mitglieder der Arbeiterkammer, das Verstehen nicht die Bauern, nicht die Angestellten und nicht die Metallarbeitern." In diesem Zusammenhang appellierte er an alle Eisenbahner, "sich nicht von der Gewerkschaft in Schlepptau nehmen zu lassen und nicht einen sozialen Konflikt herauf zu beschwören, der nicht notwendig ist."

Auch Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) zeigte sich in der Pensionsfrage unnachgiebig. Wie sie betonte, hätten die Eisenbahner von Beginn an eine "sehr merkwürdige Haltung" eingenommen. So habe man schon beim Start der Verhandlungen klargestellt, dass man zu Gesprächen nicht bereit sei, sondern sowieso streiken wolle. (APA)

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