Value-Investoren setzen auf Zeit

8. Juni 2006, 14:42
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Value-Investing ist ein Anlage-Stil, der auf verborgene Unternehmensperlen setzt - Ausdauer und Geduld machen sich bezahlt

Wien - Eine Investition ist im Gegensatz zu einer Spekulation durch unternehmerisches Denken gekennzeichnet. Mit dieser Differenzierung prägte Benjamin Graham in seinem in den 1940er-Jahren erschienen Buch "Intelligent Investieren" die Anfänge des Value-Investing - ein Anlage-Stil, der auf verborgene Unternehmensperlen setzt.

Von den fundamentalen Eigenschaften leiten lassen

Grundvoraussetzung hierfür ist, das jeweilige Unternehmen und seine Produkte zu verstehen. Das heißt: Bei einer Investition lässt sich der Anleger weniger von Annahmen über die Entwicklung des jeweiligen Wertpapiers oder Marktes als vielmehr von den fundamentalen Eigenschaften des Unternehmens leiten.

"Der Value-Stil hält sich durch Bullen- und Bärenmärkte und gewinnt im Moment wieder an Bedeutung", erklärt Norbert Welp, Leiter des Bank- und Privatkundengeschäfts bei Pioneer Investments. Ziel bei diesem Anlagestil ist es, die werthaltigsten Titel an den Börsen herauszufiltern. Um den tatsächlichen Wert eines Unternehmens erfassen zu können, ist eine genaue Analyse des Unternehmens und seiner Marktbewertung notwendig. Welp: "Über eine Kennzahlen-Analyse wird erhoben, ob das Unternehmen an der Börse unter seinem eigentlichen ,inneren Wert' gehandelt wird." Zudem überprüfen Fondsmanager in regelmäßigen Gesprächen, ob das Management eine Erfolg versprechende Unternehmensstrategie entworfen hat und diese auch umsetzt.

Eigentlicher Wert

Dass dieser Stil Erfolg bringt, beweist Philip L. Carret. Er hat mit seinem 1928 aufgelegten Value-Fonds Pioneer Fund eine durchschnittliche jährliche Rendite von 12,5 Prozent erreicht. "Mit Geduld können außergewöhnliche Gewinne erzielt werden", lautet einer seiner Leitsprüche. Denn unterbewerteten Unternehmen müsse eine angemessene Zeit eingeräumt werden, um ihren eigentlichen Wert zu erreichen.

Keineswegs sei jedoch gemeint, Titel auf unbestimmte Zeit zu halten. Ist der Markt auf die versteckten Qualitäten eines Unternehmens aufmerksam geworden, steigt der Kurs mitunter über den eigentlichen fairen Wert. Für einen Value-Investor ist dann der Zeitpunkt gekommen, in besser bewertete Titel umzuschichten. Erreicht ein Unternehmen also seinen inneren Wert, ist es bereits wieder Zeit zum Verkaufen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.5.2006)

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