Chronologie: "Schummel-Schumi"

28. Juni 2006, 16:37
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Michael Schumacher wurde 1994 auf unrühmliche Weise erstmals Weltmeister - Rekordchampion fiel schon des öfteren durch Unsportlichkeiten auf

Monte Carlo - Michael Schumacher ist Rekordweltmeister der Formel 1, hat die Königsklasse des Motorsports mehrere Jahre lang dominiert. Die schillernde Karriere des deutschen Ferrari-Superstars war aber stets von Kontroversen begleitet. Die Annullierung seiner Bestzeit im Qualifying zum Grand Prix von Monaco am Sonntag (14:00 Uhr/ORF 1) und eine Rückversetzung auf den hintersten Startplatz sind nur das aktuellste Kapitel.

Gerade in jungen Jahren hatte Schumacher damit auf sich aufmerksam gemacht, die Grundlagen der Fairness zu Gunsten seines eigenen Vorteils und Erfolges bis auf das äußerste hin zu strapazieren. Bereits sein erster WM-Titel 1994 stand unter dem Makel von Betrugsvorwürfen. Eine Auflistung der umstrittensten Rennszenen, in die Schumacher in den vergangenen 15 Jahren seiner einzigartigen Karriere involviert war:

  • 1994, Grand Prix von Australien in Adelaide: Das Titelrennen zwischen Schumacher - damals noch im Benetton-Ford - und Damon Hill entscheidet sich erst im letzten Saisonrennen. Der Deutsche kommt von der Strecke ab, provoziert aber einen Unfall, in den auch Hill verwickelt ist. Beide scheiden aus, Schumacher wird mit einem Punkt Vorsprung zum ersten Mal Weltmeister. Bereits zuvor hatte Schumacher mit nicht erlaubter Start-Elektronik in Imola und zu dünnem Unterboden in Spa-Franchorchamps Strafen bzw. Sperren auf sich gezogen. Der viel zitierte Spitzname "Schummel-Schumi" war geboren.

  • 1997, Grand Prix von Spanien in Jerez: Neuerlich entscheidet sich die WM erst im letzten Rennen - diesmal zwischen Schumacher, der erneut einen Punkt Vorsprung mitbringt, und Jacques Villeneuve. Der in Führung liegende Ferrari-Pilot wird von Villeneuve angegriffen, lenkt bei dessen Überholmanöver stark ein und versucht seinen Kontrahenten in einen Unfall zu verwickeln. Mit dem linken Vorderrad trifft der Deutsche den Kanadier auf der Seite. Villeneuve kann das Rennen aber mit einem stark beschädigten Williams-Renault fortsetzen und krönt sich zum Weltmeister. Schumacher werden daraufhin alle 78 Saisonpunkte sowie der Vizeweltmeistertitel aberkannt.

  • 1998, Grand Prix von Kanada in Montreal: Schumacher kommt aus der Box, kreuzt die Strecke und drängt seinen heranfliegenden Landsmann Heinz-Harald Frentzen im Williams mit einer extrem gefährlichen Aktion von der Strecke auf den Grasstreifen ab. Schumacher behält damit die Führung, fährt trotz einer Zehn-Sekunden-Strafe zum Sieg.

  • 2000, Grand Prix von Spanien in Barcelona: Der von Reifenproblemen heimgesuchte Schumacher blockiert seinen deutlich schnelleren Bruder Ralf im Williams-BMW anhaltend. Erst nach unzähligen Versuchen kommt "Schumi II" an seinem älteren Bruder vorbei, beendet den Grand Prix auf Platz vier. Daraufhin liefern sich die beiden Brüder ein anhaltendes Wortgefecht, das in der Öffentlichkeit breitgetreten wird.

  • 2001, Grand Prix von Europa auf dem Nürburgring: Der "Bruderkrieg" im Hause Schumacher erfährt eine Fortsetzung. Die beiden Deutschen nehmen bei ihrem Heim-Grand-Prix die erste Startreihe ein, Michael aus der Pole Position. Ralf startet gut, doch sein älterer Bruder kreuzt die Strecke und drängt ihn beinahe gegen die Mauer. "Schumi II" muss zurückstecken und der große Bruder fährt zu einem umstrittenen Sieg.

  • 2002, Grand Prix von Österreich in Spielberg: Schumachers brasilianischer Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello führt von Beginn des Rennens an, hat seinen um die WM kämpfenden Stallgefährten sicher im Griff. In der finalen Runde muss Barrichello Schumacher auf Geheiß der Teamleitung passieren lassen und den Sieg schenken. Die "Ferrari-Farce" zieht weltweit großes Echo nach sich - sogar italienische Tifosi verbrennen in der Steiermark ihre Ferrari-Flaggen.

  • 2004, Grand Prix von San Marino in Imola: Schumacher wird beim Start von Juan-Pablo Montoya attackiert, zeigt gegenüber dem Kolumbianer jedoch Härte. Montoya muss von der Strecke weichen um eine Kollision zu vermeiden. Schumacher, der spätere Sieger, gibt an, Montoya nicht gesehen zu haben.

  • 2006, Grand Prix von Monaco in Monte Carlo: Wenige Sekunden vor Ende des Qualifikations-Trainings bleibt Schumacher nach einem seltsamen Brems- und Lenkmanöver in der Rascasse-Kurve liegen. Der Deutsche behindert damit unter anderem seinen WM-Rivalen Fernando Alonso bei dessen schnellster Runde. Zu diesem Zeitpunkt lag Schumacher in Führung, lief jedoch Gefahr, diese an den Spanier zu verlieren. Die FIA ortete Absicht und annullierte alle Zeiten, die Schumacher in der Qualifikation gefahren ist. Der Deutsche muss das Rennen damit vom hintersten Startplatz in Angriff nehmen. (APA)
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