Bertelsmann-Eigner können sich mit Börsengang anfreunden

14. Juni 2006, 15:54
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Rückkauf schreckt Rating-Agenturen

Die Eigentümerfamilie des deutschen Medienkonzerns Bertelsmann könnte sich mit einem Börsengang des Gütersloher Medienkonzerns nach eigenen Angaben doch abfinden. Ob die Bertelsmann-Aktien an der Börse notiert seien oder nicht, sei für die Familie von "untergeordneter Bedeutung", sagte Liz Mohn, die die Interessen der Eignerfamilie vertritt, dem "Manager Magazin" (Ausgabe vom 24. Mai) in einem am Dienstag in Auszügen vorab veröffentlichten Interview.

Wichtig sei, dass die Familie weiter drei Viertel der Stimmrechte kontrolliere. "Mein Mann, unsere Kinder und ich, wir haben eine ganz klare Haltung, nämlich die, dass es für externe Investoren bei einer Grenze von maximal 25 Prozent bleibt", sagte Mohn. "Das kann ein Aktionär sein, wie heute die GBL, das können aber auch tausende von Einzelaktionären sein."

Dreiviertel-Mehrheit notwendig

Mohn betonte, weder die Familie noch die Stiftung würden bei einem Börsengang Anteile abgeben. Die Dreiviertel-Mehrheit sei notwendig, um die Kontinuität der Unternehmenskultur zu sichern.

Die Groupe Bruxelles Lambert (GBL) des Investors Albert Frere hält 25,1 Prozent der Anteile und 25 Prozent der Stimmrechte an Bertelsmann. Sie kann seit Dienstag einem im Zuge des Einstiegs geschlossenen Vertrag zufolge verlangen, diesen Anteil an die Börse zu bringen. Mohn wurde nachgesagt, sie wolle einen Börsengang verhindern und dafür auch eine Menge Geld für einen Rückkauf der GBL-Anteile in die Hand nehmen, der laut dem Vertrag ebenfalls möglich ist. Der Wert des GBL-Anteils wird auf bis zu fünf Mrd. Euro geschätzt.

"Wir bereiten uns auf beide Varianten vor", sagte Mohn. Der Bertelsmann-Vorstand hatte den Rückkauf, über den seit geraumer Zeit spekuliert wird, am Montag erstmals ins Spiel gebracht. Der Medienkonzern könne sich vorstellen, die Beteiligung "zu einem angemessenen Preis" zurückzukaufen, wenn sich die Gesellschafter darüber verständigten. Auch bei einem Rückkauf würde Bertelsmann weiter investieren können und finanzielle Solidität erhalten.

Die Möglichkeit eines milliardenteuren Rückkaufs schreckte die beiden weltgrößten Ratingagenturen auf. Standard & Poor's (S&P) und Moody's kündigten an, eine Herabstufung der Bonität des Konzerns zu prüfen, wenn Bertelsmann dafür eine höhere Verschuldung in Kauf nimmt. Moody's stuft Bertelsmann derzeit mit "BAA1" ein, S&P hat die Note "BBB+" vergeben. Die Ausgaben könnten zu höheren Schulden führen oder zu einer geringeren Flexibilität, wenn Unternehmensteile dafür verkauft würden, so Moody's. Das Investmentgrade-Rating sei aber nicht in Gefahr, erklärte S&P.

Geld könnte etwa der Verkauf des Musikgeschäfts bringen. In Finanzkreisen hatte es geheißen, Bertelsmann bereite den Verkauf des Musikverlags BMG Music Publishing vor, der bis zu 1,3 Mrd. Euro bringen könnte. Bertelsmann erwäge auch, seinen 50-Prozent-Anteil am Musik-Produzenten Sony BMG zu verkaufen.(APA/Reuters)

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