Inoffizielle Volksabstimmung auch in Belgrad

1. Juni 2006, 15:23
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Von G-17plus veranstaltet - Präsident des Verfassungsgerichtes: Keine Probleme für Serbien bei Auflösung des Staatenbundes

Belgrad - Eine inoffizielle Volksabstimmung hat es am Sonntag auch in Belgrad gegeben. Die in der serbischen Regierung vertretene Expertenpartei G-17plus hat an 30 Stellen in der Stadt eine "Volksabstimmung für ein unabhängiges Serbien" veranstaltet. In den Morgenstunden wurden nach Angaben von Parteivertretern mehr als 6.000 Stimmen - meist für die Unabhängigkeit - abgegeben.

In der serbischen Öffentlichkeit wird der Referendumsverlauf in Montenegro mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Laut einer neulichen Umfrage wird in Serbien mehrheitlich erwartet, dass sich die Bürger Montenegros für die Eigenstaatlichkeit entscheiden. Manch ein Serbe stimmt wohl mit dem G-17plus-Spitzenpolitiker Cedomir Antic überein, der meinte, dass es eine Schande sei, dass nicht auch die Bürger Serbiens über die Zukunft des Staatenbundes befragt worden seien.

Keine Probleme bei Auflösung des Staatenbundes

Der Präsident des serbischen Verfassungsgerichtes Slobodan Vucetic sagte indes, dass es für Serbien keine Probleme geben dürfte, sollte zur Auflösung des Staatenbundes kommen. Mit der noch geltenden Verfassung wurde Serbien bereits 1990, kurz vor dem Zerfall des damaligen Jugoslawien (SFRJ), als selbstständiger Staat konzipiert. Vucetic zufolge müsste die Unabhängigkeit nur durch eine parlamentarische Erklärung bekräftigt werden. Die meisten Schwierigkeiten dürften ihm zufolge Referendumsergebnisse in der "grauen Zone" bereiten. Sollten sich für die Unabhängigkeit mehr als 50 Prozent, aber weniger als 55 Prozent der Bürger Montenegros aussprechen, wird der Staatenbund im Leben bleiben. "Dies würde nur die Fortsetzung der Agonie der Staatenunion bedeuten", so Vucetic. (APA)

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    An mehreren Stellen in Belgrad konnten die BürgerInnen für ein unabhängiges Serbien "abstimmen".

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