Mafiamethoden an Schule in Südschweden

24. Oktober 2006, 14:03
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Integrationsprobleme an Malmöer Schule: Gewalt unter Schülern hat dazu geführt, dass einige Klassenzüge geschlossen wurden

Auch im südschwedischen Malmö gibt es Probleme mit Immigrantenkindern, wie sie Ende März aus der Berliner Rütli-Schule bekannt geworden waren. Allerdings scheinen die Zustände, unter denen Schüler der Hermodsdalsskolan leiden, haarsträubender zu sein. Die Schule muss nun die Klassenzüge sieben bis neun völlig schließen.

Geringe Einkommen

Die rund 200 Schüler dieser Klassen werden an andere Schulen mit geringerem Ausländeranteil verwiesen, unter anderem damit sie sich besser als bisher in die schwedische Gesellschaft integrieren. Die Hermodsdalsskolan liegt in einem Stadtteil, in dem zu 95 Prozent Einwanderer mit zumeist schlechten ökonomischen Bedingungen leben.

Brandlegungen Grund der Schließung laut Schulamtsbericht: "Das Klima an der Schule ist in den vergangenen Jahren immer härter und körperliche Gewalt zum Alltag geworden. Die Angst unter jüngeren Schülern vor den älteren Mitschülern hat sich sehr ausgebreitet."

Im Report wird von weiteren üblen Zuständen berichtet: Schulgebäude wurden mehrmals in Brand gesetzt, die Umstände, unter denen die Kinder lernen sollen, seien mafiös. Es sei Alltag, dass Kinder auf dem Schulweg "Wegzoll" an ältere Mitschüler entrichten müssen; auch sadistische Bestrafungen zwischen den Schülern seien üblich.

Lehrer hilflos

Berichtet wird auch von ungehemmtem Drogenhandel, ständigen Diebstählen und kaum respektierten, völlig hilflosen Lehrern. "Ein umfassender Teil der Arbeitszeit wird verbraucht, um auf Ereignisse wie Brandlegung, Graffiti und Gewalt zu reagieren", steht in dem Report, der auch der Stadtverwaltung vorliegt.

Die ständig allgegenwärtige Gewaltbereitschaft habe dazu geführt, dass die Normen an der Schule inzwischen ganz andere seien als "draußen" in der normalen Gesellschaft. "Wir können einfach nicht mehr länger mit den jüngeren Kindern herumexperimentieren", begründete John Roslund, bürgerlicher Abgeordneter im betroffenen Stadtteil, die Schließung.

Nur Teilschließung Viele Stadtteilbewohner kämpfen aber für das Überleben der Hermodsdalsskolan: "Wir wollen unsere Schule behalten!", skandierten mehr als 400 Schüler, deren Lehrer und Eltern vor Kurzem in einem Demonstrationszug.

"Sich an einer anderen Schule einzuleben, wird viel schwieriger sein", sagte ein Schüler der achten Klasse. "Die Leute müssen einsehen, dass wir die Schule hier brauchen. Aber alles hängt an den Schülern. Es ist unser eigener Fehler, nicht der unserer Eltern und auch nicht der der Lehrer."

Zumindest die Schüler der Jahrgänge eins bis sechs dürfen zunächst bleiben. Anfangs wollte das Schulamt sogar die gesamte Schule schließen lassen, ließ sich aber von den Protestaktionen der Schüler und Lehrer erweichen; sie hatten betont, dass sich die Zustände inzwischen um einiges verbessert hätten.

Integrationsdebatte Die Schließung heizt die Integrationsdebatte in Schweden an. Das Land hat eine Migrationsquote von 13 Prozent, die Regierung nimmt im Bereich Flüchtlingspolitik und Einwanderung eine betont milde Haltung gegenüber Ausländern ein. Dies wird EU- weit als vorbildlich angesehen.

So machten sich beispielsweise während der Ausschreitungen in Frankreichs Vororten zahlreiche französische Journalisten auf den Weg in den Norden, um den Stockholmer Vorbild-Ausländerstadtteil Rinkeby und die dortigen Schulen genauer unter die Lupe zu nehmen, diese haben durchaus auch Erfolge aufzuweisen. (André Anwar, DER STANDARD Printausgabe, 17.05.2006)

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