Hyundai-Chef muss vor Gericht

1. Juni 2006, 17:10
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Der Schmiergeld-Skandal bei Hyundai Motor hat für Chung Mong Koo ein böses Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Seoul - Im Schmiergeld-Skandal um Südkoreas größten Autobauer und WM-Sponsor Hyundai Motor ist am Dienstag Anklage gegen den inhaftierten Konzernchef erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft Chung Mong Koo Unterschlagung von Firmengeldern und Betrug vor. Chung war Ende April festgenommen worden, weil er Politiker bestochen haben soll.

Machtvakuum

Branchenexperten zufolge könnte der Prozess zu einem Machtvakuum an der Hyundai-Spitze führen und den weltweit siebtgrößten Autokonzern in seiner Expansionsstrategie zurück werfen. Wegen des Prozesses verschob Hyundai am Dienstag bereits den Bau eines Werkes in Tschechien für eine Milliarde Euro auf unbestimmte Zeit. Die Fabrik wäre einer der größten ausländischen Direktinvestitionen in der Geschichte des jungen EU-Mitgliedslandes. Dort sollten ab 2008 pro Jahr 300.000 Autos produziert werden.

Gemeinsam mit seiner Tochter Kia Motors will Hyundai bis 2010 zum fünftgrößten Autokonzern der Welt nach Absatz aufsteigen. Das Unternehmen ist ein Hauptsponsor und offizieller Auto-Ausrüster der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Chung soll der Anklage zufolge rund 100 Milliarden Won (etwa 85 Mio. Euro) Firmengelder unterschlagen und zum Teil für persönliche Zwecke genutzt haben. Zudem soll er bestimmte Konzern-Bereiche in die Verlust-Zone gedrängt haben, in dem er sie dazu zwang, schwächere Tochter-Bereiche zu unterstützen. Die Behörden wollen in der Sache auch noch andere Manager anklagen, darunter Chung Eui Sun, den Sohn des angeklagten Hyundai-Chefs und Präsident von Kia Motors.

Spenden zur Entschuldigung

Hyundai hatte Mitte April angekündigt, als Zeichen der Entschuldigung für den Korruptionsskandal Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar (780 Mio. Euro) an eine wohltätige Gesellschaft zu spenden. Der Anklage zufolge wird das die Untersuchungen in dem Fall nicht beeinflussen. Allerdings würden bei einer Strafforderung die nationalen Interessen berücksichtigt. Der Missbrauch von Firmengeldern ab einer Summe von fünf Milliarden Won kann in Südkorea mit lebenslanger Haft bestraft werden.

Ein auf Unternehmensrecht spezialisierter Rechtsanwalt, der nicht namentlich genannt werden wollte, rechnet im Falle einer Verurteilung mit einer hohen Strafe: "Das Justizministerium will Wirtschaftskriminalität hart bestrafen." Südkoreas Wirtschaftsleben wird von riesigen Firmen-Konglomeraten dominiert, die sich häufig in der Hand von Familien befinden und deren Geschäftspraktiken oftmals als zwielichtig kritisiert werden.

Einige Rechtsexperten schätzen, dass der Prozess gegen den Hyundai-Chef einschließlich Revisionen anderthalb Jahre dauern könnte. Nach koreanischem Recht muss der erste Prozess jedoch innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein - ansonsten kann dem Angeklagten ein Freispruch gewährt werden. (APA/Reuters)

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    Chung Mong Koo wird Unterschlagung von Firmengeldern und Betrug vorgeworfen.

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