"Marsch des kämperischen Volkes"

3. Juni 2000, 16:12

Föderation der Frauen Kubas geht für Elians Rückkehr auf die Strasse

Havanna - Bei der größten staatlich organisierten Kundgebung seit Monaten haben am Freitag eine halbe Million Kubanerinnen in der Hauptstadt Havanna für die sofortige Rückkehr des Flüchtlingsbuben Elian Gonzalez aus den USA demonstriert. Die Demonstrantinnen vor dem Büro der US-Interessenvertretung trugen Plakate, auf denen "Gebt Elian heraus" und "Schluss mit den Lügen" stand. Kuba hatte mit Verärgerung auf das Urteil eines US-Gerichts entschieden, mit dem zwar der Asylanspruch zurückgewiesen, die Ausreisgenehmigung aber weiter verzögert worden war.

"Freilassung" gefordert

Der "Marsch des kämpferischen Volkes" wurde von der Präsidentin der Föderation der Frauen Kubas, Vilma Espin, sowie von den beiden Großmüttern Elians angeführt. Auf dem "Platz des Antiimperialismus Jose Marti" nahm Staats- und Parteichef Fidel Castro anschließend an einer Großkundgebung teil. "Unser Volk hat das Recht, die sofortige Freilassung und die Rückkehr aller (Elians, seines Vaters und dessen Familienangehöriger in Washington) nach Kuba zu verlangen", stand in dem Aufruf zur Demonstration. "Wir werden angesichts der Fortdauer der Ungerechtigkeit und des Verbrechens nicht die Hände in den Schoß legen", hieß es.

Das Gericht in Atlanta hatte entschieden, dass Elian kein Recht auf eine Anhörung über ein Asylbegehren habe und damit die Voraussetzungen für eine baldige Heimkehr geschaffen. Allerdings müsse der Bub noch bis zum Ende des Berufungsverfahrens in den USA bleiben.

Der Vater Miguel Gonzalez zeigte sich jedoch glücklich über die Entscheidung der Richter, die nach Einschätzung von ExpertInnen eine Heimreise Ende des Monats ermöglichen könnte. Das Urteil wurde in den USA als Sieg für Elians Vater und als schwerer Schlag für die in Miami lebenden Verwandten gewertet. Präsident Bill Clinton begrüßte die Entscheidung.

Berufung wahrscheinlich ohne Erfolg

Die Verwandten in Miami, die von Kuba nur als "Mafia" bezeichnet werden, haben 14 Tage Zeit, um Berufung gegen das Urteil einzulegen. Zudem haben sie die Möglichkeit, ein anderes Gericht zu finden, dass ein weiteres Verbleiben des Buben in den USA anordnet. Dies wurde von Experten aber als sehr unwahrscheinlich eingeschätzt. Danach bliebe als letzte Möglichkeit nur noch der Gang vor das Oberste Gericht der USA. Im Fernsehsender CNN hieß es, das Oberste Gericht werde den Fall aber vermutlich nicht annehmen.

Elians Mutter war Ende November vergangenen Jahres auf der Flucht mit dem Kind aus Kuba ertrunken. Elian konnte gerettet werden und lebte zunächst bei dem Großonkel in Miami. Anfang April wurde er auf Anweisung des Justizministeriums gewaltsam aus dem Haus der Angehörigen geholt und zu seinem Vater gebracht, der in die USA gekommen war, um seinen Sohn zurück zu bringen. Beide halten sich seitdem im Raum Washington auf.
(APA/dpa)

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