Komplett: Umkleideraum für einen Star

11. Mai 2006, 06:19
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Beispiele aus Josef Hoffmanns Spätwerk "im Kinsky" - etwa von der Pariser Weltausstellung 1937

Wien - Am 7. Mai jährte sich der Todestag von Josef Hoffmann zum 50. Mal. Bei dieser Gelegenheit lohnt sich ein Blick auf sein Werk. Nein, nicht auf den "Quadratl"-Hoffmann und damit jene Kategorie von angewandter Kunst, die weltweit zu den stets gut nachgefragten Highlights in der Kategorie frühen Designs zählt. Sondern auf dessen deutlich weniger beachtetes Spätwerk, das - ehemals in Anlehnung an Hoffmanns Kollegen Dagobert Peche - vom exaltierten Posieren völlig befreit zur Eigenständigkeit, zum puren Josef Hoffmann fand. Im Rahmen der 59. Auktion steht am 17. Mai "im Kinsky" eine adäquate Auswahl im Angebot.

Im direkten Vergleich mit den typischen frühen Arbeiten Josef Hoffmanns finden sich bei jenen der Jahre 1920 bis 1942 Analogien, die allerdings mit Anknüpfungspunkten mehr gemein haben als mit stilistischem Playback.

Hier erinnern abstrakte Linienmotive an seine Grafiken aus der Secessionszeit (1897-1905), dort trifft man auf stilisierte Pflanzenformen der 20er-Jahre. Letztere etwa in den um 1930 entworfenen und von Max Welz ausgeführten Spiegelmodellen: vergoldetes und geschnitztes Lindenholz in einer Preisklasse von 5000 bis 10.000 Euro zu haben, das schlichtere Pendant aus gedrechseltem und geschnitztem Nussbaumholz für 4000-8000 Euro. Die Hand des Grafikers kann dagegen ein um 1940 entstandener und auf 4000 bis 6000 Euro taxierter Silberpokal mit seiner kaskadenartigen Linienführung ebenso wenig nicht verhehlen wie der 1942 von Hugo Kirsch ausgeführte Tafelaufsatz aus Holz (800-1500 Euro).

Zimmer einer Diva

Die wichtigste Werkgruppe im aktuellen Angebot stellen ein mit rosa Samt bespannter Hocker (2500-5000 Euro) und ein Tisch mit Spiegelplatte (5000-8000 Euro): Sie zierten den Ausstellungsraum "Boudoir d'une grande vedette" anlässlich der Weltausstellung in Paris 1937.

Zur Herstellung des authentischen Interieurs bräuchte man dann nur noch einen hell gehaltenen Raum samt verspiegeltem Fußboden und das diesen schonende weiße Angoraziegenfell. (kron/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2006)

  • Das Ensemble glänzte bei der Pariser Weltausstellung 1937: Josef Hoffmann bei der 59. Auktion "im Kinsky".
    foto: im kinsky

    Das Ensemble glänzte bei der Pariser Weltausstellung 1937: Josef Hoffmann bei der 59. Auktion "im Kinsky".

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