Gegen Benetton und für Che

12. Mai 2006, 20:00
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Tribunal gegen europäische Firmen, die in Lateinamerika ökologische und soziale Rechte gebrochen haben

Wien – Die Retter der kubanischen Helden haben sich formiert, sie kommen aus Russland und kämpfen vor allem gegen jede Art von Opportunismus und Revisionismus innerhalb der eigenen Gruppe und "jeden Versuch von den Prinzipien Marx' und Lenins abzuweichen". Die Russen sind wild entschlossen, die Kubaner durch Unterschriftenlisten freizukriegen, und agitieren jeden an, der den Alternativengipfel besucht.

Bei "Enlazando Alternativas" (Alternativen verknüpfen), der Gegenveranstaltung zum EU-Lateinamerikagipfel finden sich im Kongresshaus der Eisenbahnergewerkschaft in Wien sehr verschiedene Gruppen ein: kirchliche Hilfsorganisationen, wie etwa die Dreikönigsaktion, neue und altgediente Grüne, wie Freda Meissner-Blau, jede Menge Lateinamerika-Freunde und eben auch Marxisten. Che ist allgegenwärtig, auf roten Halstüchern und bunten Kunstwerken, die feilgeboten werden, sogar Doppelgänger mit blinkenden Sternchen auf der schwarzen Kappe stehen vor der Türe zum Tribunal der Völker. Dort werden in den nächsten Tagen europäische Firmen "angeklagt". Sie sollen in Lateinamerika ökologische und soziale Rechte gebrochen haben.

Auf dem Podium sitzen die Geschworenen: etwa die Schriftstellerin Susan George, der deutsche Politologe Altvater und Meissner-Blau. Indigene aus Peru berichten als Zeugen über den Bau eines Bergwerks der britischen Firma Monterrico Metalls. Die Firma habe nicht nur das Land genommen ohne Genehmigung der indigenen Bevölkerung, sondern auch das Wasser verschmutzt. Aus Argentinien treten Zeugen auf, die die italienische Firma Benetton wegen Pinienpflanzungen, die zu extremer Trockenheit geführt haben sollen und der Ausbeutung der Arbeiter bekritteln. "Die lokale Bevölkerung hatte gar nichts davon", sagt der Zeuge. Mexikaner berichten von den spanischen Firmen Riu Ressorts und Ibero Star, die in Hotelanlagen investieren. Das Ökosystem sei gekippt, alle Schildkröten gestorben. (awö, szi, DER STANDARD, Print, 11.5.2006)

  • Beim Alternativengipfel im Wiener Kongresshaus der Eisenbahner werden europäische Firmen "angeklagt".
    foto: standard/cremer

    Beim Alternativengipfel im Wiener Kongresshaus der Eisenbahner werden europäische Firmen "angeklagt".

  • Die Schriftstellerin Susan George klagt an.
    foto: standard/cremer

    Die Schriftstellerin Susan George klagt an.

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    "Che" am Alternativengipfel

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