Steinhof-Pläne: "Eine Schnapsidee"

16. Mai 2006, 14:09
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Flächenwidmungs-Entwurf zeigt: Die Bauten am Steinhof könnten sich verdoppeln - Denkmalschützer protestieren

Wien - "Das ist eine Schnapsidee", zürnt Landeskonservatorin Barbara Neubauer vom Bundesdenkmalamt im STANDARD-Gespräch. "So etwas würde einen internationalen Aufschrei verursachen." Anlass für die Empörung der Denkmalschützerin sind die jüngsten Pläne für die Verwertung des Areals Am Steinhof, von denen nun ein erster interner Entwurf für eine neue Flächenwidmung vorliegt.

Durch die neue Flächenwidmung werde der Grünlandanteil nahezu verdoppelt und die Wohnwidmung im Bereich des Spitals stark zurückgenommen, lautet die offizielle Auskunft von Planungsstadtrat Rudi Schicker (SP). Was stimmt - wenn man von der derzeitigen Widmung ausgeht, die eine theoretische Bebauung vorsähe.

Einfamilienhäuser

Die Grüne Planungssprecherin Sabine Gretner hat sich den "Gründruck" genauer angeschaut und festgestellt: Gegenüber dem bereits bebauten Bestand würden mit der neuen Widmung die Bauten glatt verdoppelt. Zwischen den Pavillons soll demnach Bauklasse 1 gewidmet werden - sprich: es könnten Einfamilienhäuser errichtet werden. Sogar ein kompletter Grünstreifen, der derzeit von den Steinhofgründen hinunter reicht, könnte so verhüttelt werden. Im nordöstlichen Bereich des Areals ist generell Bauklasse 3 vorgesehen - Bauten bis zu 16 Meter Höhe.

Mehr noch: sogar über den Pavillons soll ein Wäldchen, ein Teil des Biosphärengebietes, angeknabbert werden - mit einer bebaubaren Fläche von insgesamt 27.500 m². Ein Déjà-vu exakt 25 Jahre nach der Volksbefragung über die Bebauung der Steinhofgründe (siehe Wissen).

Allein, dass überlegt wird, zwischen den Pavillons Bebauungen zuzulassen, lässt Neubauer auf die Barrikaden springen: "Die gesamte Anlage Am Steinhof steht unter Denkmalschutz - inklusive Umfassungsmauer und Grünraum. Das Verhältnis Grünfläche zu Verbauung ist ein wesentlicher Teil der Anlage. Steinhof ist ein international erstklassiges Denkmal, das war ein großer Wurf auch aus sozialhistorischer und medizingeschichtlicher Sicht. Eine Veränderung ist aus unserer Sicht sicher nicht vorstellbar", betont die Landeskonservatorin.

15.000 Autofahrten

Die horrenden Befürchtungen teilt auch ÖVP-Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl in seiner Funktion als Bezirksobmann von Penzing: Die Steinhof-Kirche, die seit dem Jahr 2000 um 11,7 Millionen Euro renoviert wird, könne von Wohn- und Bürotürmen umrandet, die denkmalgeschützten Pavillons rechts der Mittelachse durch mehrstöckige Aufbauten erweitert werden. Würde das Gelände zu einer Wohnanlage, müsse man zudem mit einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von 15.000 Autofahrten rechnen.

"Die Ängste sind unbegründet," versucht hingegen Planungsstadtrat Schicker zu kalmieren. Die Flächen und Gebäude könnten nur unter Wahrung des Denkmal- und Naturschutzes neu genutzt werden. Neben Wohnen und Hotellerie seien kleine Betriebsstätten, etwa im Bereich der Kreativwirtschaft, vorstellbar. Man verstehe die Aufregung nicht; schließlich störe es weder ÖVP noch Denkmalamt, wenn die Landesnervenklinik Gugging teilweise abgerissen und neu genutzt werde.

Doch Neubauer lässt keinen Zweifel offen: Über eine neue Nutzung der Pavillons könne man reden - aber eine Bebauung dazwischen sei undenkbar und sogar eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes der Bauten sei "kaum vorstellbar. Balkone, Terrassen oder Vorbauten, das kann's auch nicht sein." (Roman David-Freihsl, Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe, 10.05.2006)

  • Das denkmalgeschützte Areal Am Steinhof: Die neue Flächenwidmung würde die Errichtung von Gebäuden zwischen den Pavillons ermöglichen
    foto: standard/newald

    Das denkmalgeschützte Areal Am Steinhof: Die neue Flächenwidmung würde die Errichtung von Gebäuden zwischen den Pavillons ermöglichen

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