VA-Tech-Stahlwerksbau verliert Chef

22. Juni 2006, 20:04
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VAI-Chef Gerhard Falch zieht sich aus dem operativen Industrieanlagenbau zurück

Linz/Wien – Knapp ein Jahr nach der Übernahme der VA Tech durch Siemens kommt es beim Industrieanlagenbau (VAI) in Linz zu einem prominenten Abgang: Gerhard Falch, seit 1999 VAI- Chef, tritt zurück und zieht sich in den Aufsichtsrat der Leitgesellschaft des einstigen Anlagenbaukonzerns zurück.

Sein bis 2008 laufendes Vorstandsmandat bei der Siemens AG Österreich wird der 58-jährige Maschinenbauer, der den Großteil seines Berufslebens im Voest-Alpine Industrieanlagenbau verbracht hat, weiterhin ausüben. Außerdem soll Falch laut Siemens-Chefin Brigitte Ederer in den Aufsichtsrat von Siemens Ungarn einziehen und bei einem Siemens-Ableger in Asien.

Überraschender Abgang

Die Beweggründe für den doch überraschenden Abgang, der für die eingeschworene VAI-Belegschaft aus heiterem Himmel kam, wollten weder Ederer noch Falch nennen. Falch: "Ich wollte bereits seit längerer Zeit einen Schritt kürzer treten und das ist jetzt ein guter Anlass." VAI und mit ihr Siemens Metal Services seien als Weltmarktführer hervorragend aufgestellt, die Integration in Siemens sei auf Schiene, Umsatz (die VAI bringt allein 1,7 Milliarden Euro auf die Waage, Siemens Metals Technologies 2,5) und Auftragsstand (2,7 Mrd. Euro) in Rekordhöhe.

Wegbegleiter und Kollegen nehmen Falch den vorzeitigen Rückzug aufs Altenteil aus "seiner" VAI freilich nicht ab: Offenbar sehe "Mister VAI" keine Chance mehr, einen Rest von Eigenständigkeit der Linzer Stahlwerksbauer innerhalb des Siemens-Konzerns und dessen Bereichsleitung im deutschen Erlangen zu erhalten.

Ederer bedauert Rücktritt

Siemens-Chefin Brigitte Ederer sieht das naturgemäß nicht so, als Kompetenzzentrum für metallurgischen Industrieanlagenbau spiele die VAI in Linz im Konzern eine wichtige Rolle. Sie räumt aber ein, dass die Sparte industriell von Erlangen aus geführt werde und nicht von Wien oder Linz. Sie bedaure, dass sie Falch vom Rücktritt nicht abhalten habe können. Kleiner Trost: Als Siemens-Österreich-Vorstand werde er die Eigentümerinteressen der Österreicher in der VAI sicher gut vertreten.

Das dürfte neben einem Signal an die verunsicherte VAI-Belegschaft auch steuerliche Gründe haben: Um die eine Milliarden Euro Verlustvorträge der VA Tech lukrieren zu können, muss Siemens beim Finanzamt einen Rest von VA Tech darstellen und zwar samt zweiköpfiger Chefetage. Das sollte mit Falch und Ex-Hydro-Vorstand Christian Habegger gelingen. Falchs Nachfolger in der VAI wird Richard Pfeffer aus Erlangen.

Falch sagt dazu lediglich: "Der Eigentümerwechsel war eine Zäsur, das stimmt." (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.5.2006)

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