Städtische zahlt 25 bis 50 Millionen in die Bawag ein

1. Juni 2006, 16:21
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Vorstandschef Geyer will dafür aber Sicherheiten - In Osteuropa will er bald Nummer eins sein

Wien - Die Wiener Städtische Versicherung wäre bereit, 25 bis 50 Millionen Euro für das Rettungspaket der Bawag auszugeben, abhängig davon, ob neben der Uniqa auch die Generali und die Allianz mitmachen. Insgesamt sollen Banken und Versicherungen der Bawag 450 Millionen Euro zur Stärkung des Eigenkapitals bereitstellen. Städtische-Generaldirektor Günter Geyer verlangt für die Finanzspritze aber Sicherheiten. Eine Möglichkeit wäre, dass die Institute Bundesanleihen zeichnen, sagte Geyer im Gespräch mit dem Standard.

BA-CA und Erste forcieren Beteiligungs-Variante

Derzeit wird noch darüber verhandelt, ob für die Transaktion ein oder zwei Gesellschaften gegründet werden, die sich an der Bawag beteiligen. An diesen Gesellschaften (eine für die Banken, eine für die Versicherungen) könnte sich auch die Bawag oder ihre Mutter beteiligen. Wesentlich ist für Geyer, dass das Geld nicht verloren geht, der Beitrag EU-konform ist und die Abschlussvereinbarung mit den US-Gläubigern steht. Am Dienstag tagten Banken- und Versicherungsvertreter wieder im Bundeskanzleramt. Zurzeit zeichnen sich zwei Fraktionen ab: die börsennotierten Banken BA-CA und Erste Bank forcieren die direkte Beteiligungsvariante, bei der der Bawag-Anteil gleichzeitig als Sicherheit diente, Raiffeisen und die Volksbanken sind gegen eine solche Beteiligung. Neben den österreichischen Banken, die alle ein "grundsätzliches Interesse" an einem Bawag-Kauf haben, treten nun auch die ersten ausländischen Interessenten auf.

Einen möglichen Kauf der Bawag will Geyer nur mit der Erste Bank und nicht mit anderen Banken realisieren. "Bei den Volksbanken sehe ich kein sehr großes Nahverhältnis, denn die haben die Ergo- Versicherung als Partner, zu der auch die Münchner Rück gehört, die wiederum ist ein wichtiger Partner der HVB."

Rolle der Post noch unklar

Bis zum Verkauf werde es jedenfalls noch dauern, da zunächst die Bilanz 2005 und die Bewertung fertig sein müssen. Außerdem sei noch unklar welche Rolle die Post spiele, die ja selbst vor einem Börsengang steht. Geyer hielte es auch für angebracht, dass der ÖGB mit fünf bis zehn Prozent an der Bawag beteiligt bleibt.

Während die Bawag ihren 26-prozentigen Anteil am Liechtensteiner Bankhaus Frick an deren Eigentümer verkauft hat, hält die Städtische an ihrer 25-prozentigen Beteiligung fest. Geyer: "Die Beteiligung stammt aus der Zeit, als uns Kapital & Wert gehörte, beim Verkauf des Vermögensberaters behielten wir die Frick-Anteile, als Finanzbeteiligung. Die Frick-Bank sei eine kleine effiziente Veranlagungsbank, die grundsätzlich keine Treuhandgeschäfte mache, sagte Geyer.

Zentral- und Osteuropa

In zwei bis drei Jahren will die Städtische die deutsche Allianz als Nummer eins in Zentral- und Osteuropa überholen und den Marktanteil durch eigenes Wachstum von derzeit zehn auf zwölf bis 13 Prozent erhöhen. In der Slowakei und Tschechien erlaube das Kartellrecht keine größeren Zukäufe mehr. Geografisch sei die Expansion (17 Länder) mit dem Markteintritt in Russland und Georgien nahezu abgeschlossen. Nicht ausgeschlossen ist laut Geyer der Eintritt in Bosnien-Herzegowina und in der Türkei.

Derzeit kommen bereits 45 Prozent der Prämie in der Sachversicherung aus den CEE-Staaten. Nächstes Jahr werden es 50 Prozent sein. "Da wir auch in Österreich sehr gut wachsen, verringert sich der Österreich-Anteil am Prämienaufkommen nicht so stark. Aber wenn die Entwicklung so weitergeht, ist es wohl nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Mehrheit der Prämieneinnahmen aus dem Osten kommt", sagte Geyer.

Ein Aufsichtsratsmandat bei der AUA lehnt Geyer ab. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.5.2006)

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