Alfred Noll zum Fall Zucker­kandl: "Entscheidung nicht nachvollziehbar"

31. März 2008, 13:35
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Der Anwalt der Erbengruppe kritisiert Schiedsspruch zum Klimt-Porträt - Finanzprokuratur: Entscheidung vorhersehbar

Wien – Alfred Noll, Anwalt der Erben nach Hermine Müller- Hofmann, hält die schiedsgerichtliche Entscheidung, nach der das Bildnis der Amalie Zuckerkandl von Gustav Klimt nicht zu restituieren ist, "für falsch und in wesentlichen Passagen für nicht nachvollziehbar". Im Gegensatz zum Schiedsgericht hält er den Preis von 1600 Reichsmark, den die Kunsthändlerin Vita Künstler in der NS-Zeit für das Gemälde zu bezahlen hatte, für "grob unangemessen". Es hatte schließlich einen Versicherungswert von 10.000 RM.

Zudem erfolgte der Verkauf nicht an eine "befreundete" Person: Hermine Müller-Hofmann kannte Vita Künstler zwar, sie "war aber in keiner Weise mit ihr befreundet", so Noll. Der Verkaufserlös wurde verwendet, um sich einen Ariernachweis zu beschaffen: "Das war sehr wohl spezifischer Druck und Zwang, der aus der nationalsozialistischen Verfolgung resultierte."

Und Müller-Hofmann hätte auch keine Möglichkeit gehabt, das Bild 1948 zurückzukaufen: "Sie war vollkommen verarmt." Noll bezweifelt zudem, dass Vita Künstler angeboten hat, das Gemälde zurückzuverkaufen: Sie war gar nicht mehr die Eigentümerin (es gehörte ihrem Mann).

Gottfried Toman von der Finanzprokuratur zeigte sich vom Schiedsspruch zugunsten der Republik "nicht überrascht". Hermine Müller-Hofmann hätte "ja auch einen Kredit aufnehmen können", wenn ihr der Rückkauf des Bildes so wichtig gewesen wäre ... (DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2006)

Von Thomas Trenkler
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