Josh Rouse: "Subtítulo"

    18. Juni 2006, 16:14
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    Von Tennessee nach Spanien und vom Ab zum Auf: Das neue Album des Singer-Songwriters ist freund­licher gestimmt denn je

    Josh conjures a light, affectless mood which quietly promises happiness without ever sliding into schmaltz.

    ... den Satz aus der "Mojo"-Rezension von "Subtítulo" stelle ich gerne an den Anfang. In der Gesamtheit zeigt das geteilte Echo auf das neue Album des amerikanischen Singer-Songwriters allerdings wieder mal, dass es zwei Lager mit einer jeweils ganz konkreten Vorstellung darüber, wie ihr Josh denn so klingen sollte, gibt.

    Diese Teilung begann spätestens mit dem 2003 erschienenen vierten Album "1972", das eine Hommage an Josh Rouses Geburtsjahr, vor allem aber an Carole King und andere Songwriting-Größen jener Ära darstellte. Stimmig bis hin zum Cover, war das sonnige Konzept von "1972" manchen zu oberflächlich ... andere zeigten sich vom neuen freundlichen Sound entzückt. - Ein Jahr später erschien das deutlich kargere und melancholischere "Nashville": Jetzt gingen die gerade erst gewonnenen Neu-Fans mit ihrer Hoffnung auf einen ähnlich schmusigen Nachfolger zu "1972" leer aus - während die zuletzt Enttäuschten sich endlich wieder über markante Gitarren-Hooklines freuten.

    "It looks like love ..."

    Und "Subtítulo"? Im Rouseschen Auf und Ab ist jetzt wieder ein Wellenkamm erreicht, und der liegt sogar noch höher als 2003. Dass Josh in einen neuen Lebensabschnitt eingetreten und von Tennessee nach Spanien übersiedelt ist (siehe auch Songtitel wie "La Costa Blanca" oder "El Otro Lado"), spiegelt sich in einem Album wieder, das sich ums Suchen und - noch wichtiger - ums Finden dreht: Einen Ort, an dem sich leben lässt, wie in der Single "Quiet Town" besungen - content with thinking that there is nothing to do, so for now I wanna stay in this quiet town. Und eine neue Liebe: She's gonna help him now, cuz he's the man who doesn't know how to smile, he's not happy by himself.

    ... für Letzteres ("The Man Who ...") teilt Rouse ausnahmsweise das Mikro mit Sängerin Paz Suay im vielleicht schönsten Duett seit "Your Ex-Lover Is Dead" der Stars.

    "I think you're wonderful, don't change"

    Wie überhaupt "Subtítulo" - teils in Spanien, teils in der alten Heimat aufgenommen - zu einer Makellosigkeit produziert wurde, in die sich auch nicht der kleinste Misston eingeschlichen hat. Vom einmal mehr an Harry Nilsson erinnernden Opener "Quiet Town" an vereinen sich Akustik- und Slidegitarren, Streicherarrangements und Joshs entspannter Gesang zu einem Sound, der Gelassenheit, Luft und Sonne verströmt. Ein Hauch von Soul gehört sowieso zur Rouseschen Art des Songwriting; und dass er schon immer eine heimliche Liebe zu brasilianischen Klängen hatte, ist jetzt erstmals so richtig rauszuhören - am stärksten in "Summertime" und "His Majesty Rides".

    Dass hier inzwischen fast jeder Song des Albums genannt wurde, liegt nicht nur daran, dass die Tracklist des nur eine gute halbe Stunde langen Albums bloß zehn Titel umfasst - es ist einfach jeder einzelne davon durch und durch gelungen. I'm givin' it up for good, gotta tell ya dear. That was a bad time, but I'll be comin' around: Zufrieden-, um nicht zu sagen Glücklichsein als Konzept eines alles andere als oberflächlichen Albums - das könnt's ruhig mal öfter geben.
    (Josefson)

    • Josh Rouse: "Subtítulo" (Nettwerk / Soulfood 2006)
      coverfoto: nettwerk

      Josh Rouse: "Subtítulo" (Nettwerk / Soulfood 2006)

    • "1972" (Rykodisc 2003)
      coverfoto: rykodisc

      "1972" (Rykodisc 2003)

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