FPÖ: Duschen für Muslimas "keine Selbstverständlichkeit"

6. Juni 2006, 08:00
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SPÖ will Frauen-Badeabend in Linz unabhängig von Konfessionen, FPÖ lehnt dies ab und ÖVP enthält sich

Linz - "Das Tragen von Badeanzügen und das Duschen vor der Benützung des Schwimmbeckens ist für manche muslimische Frauen keine Selbstverständlichkeit." Und deshalb findet es die Linzer Gemeinderätin Ute Klitsch einfach "unappetitlich", wenn solche Frauen ein öffentliches Schwimmbad benutzen. Daher hat sie für ihre Fraktion einen Antrag im Gemeinderat eingebracht, einen exklusiven Badetag für Muslimas zu verhindern.

Ein derartiges Angebot gab es bereits in Ried im Innkreis. Nach massiven Protesten aus der Bevölkerung wurde der muslimische Frauenbadeabend im März wieder abgeschafft (dieStandard.at berichtete). Dass nach offiziellem Badeschluss einmal im Monat für zwei Stunden muslimische Frauen schwimmen gehen durften, stieß vielen Saisonkartenbesitzern sauer auf.

Reißleine ziehen

Die Berichterstattung darüber brachte jedoch die Linzer SPÖ-Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal auf eine Idee: Warum keinen Badeabend generell für Frauen, egal welcher Konfession? Konkret dachte sie dabei an das Linzer Hummelhofbad. Dort werden bereits Sonderwünsche verwirklicht, wie etwa ein Nacktbadeabend. Derzeit lässt Dolezal mit Unterschriftenlisten den Bedarf für das weitere Angebot prüfen.

"Wir wollen, dass jetzt die Reißleine gezogen wird", begründet Klitsch ihren Antrag. Denn sie ist sich sicher, dass sich hinter dem Arbeitstitel "genereller Frauenbadetag" in Wirklichkeit nur einer für Muslimas verberge. Und das lehne ihre Partei schon aus "Hygienegründen" ab: "Jeder Biologe wir ihnen bestätigen, dass Kleider voller Milben sind." Schwimmgäste des Hummelhofbades hätten berichtet, dass Verhüllte in voller Montur ins Wasser gingen, "da graust es einem".

Nach Recherchen von Klitsch soll es vor einem Jahr in jenem Hallenbad einen Probebetrieb für einen muslimischen Badeabend gegeben haben. "Grundsätzlich gibt es diesen Service, aber bisher wurde er noch nie in Anspruch genommen", informierte die Linz AG Bäder hingegen die ÖVP. Die Stadtpartei hatte sich vor der Gemeinderatssitzung über die Notwendigkeit eines weiteren Schwimmangebotes erkundigt. Nachdem es keinen Bedarf gebe, war für die ÖVP der Antrag hinfällig.

ÖVP enthält sich

Deshalb enthielten sich die schwarzen Gemeinderatsmitglieder der Abstimmung. Was für den Minderheitensprecher der oberösterreichischen Grünen, Gunther Trübswasser, nicht nachvollziehbar ist. Für ihn ist die Formulierung des Antrags derart menschenverachtend, dass er die Antidiskriminierungsstelle des Landes einschalten werde. "Die Diktion ist wirklich unerträglich", gesteht ÖVP-Sprecher Harald Gruber ein. Seine Partei hat sich dennoch nicht klar von derartigen Äußerungen distanziert und nicht wie Grüne und SPÖ gegen den Antrag gestimmt. (DER STANDARD, Print, 6./7.5.2006)

Von Kerstin Scheller
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    Die rote Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal will im Hickhack um exklusive Badeabende für Muslimas mit ihrem Vorschlag die "Reißleine ziehen". Die FPÖ goutiert den aber nicht.
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