Rüsten gegen Terror

12. Mai 2006, 21:16
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Dauer-Videoüber- wachung in der U-Bahn und Security-Trupps in der Schnellbahn - Von Experten als Standard empfohlen

Wien - Die Videoüberwachung in den Wiener U-Bahnen, bei der Bilder aller Fahrgäste 48 Stunden lang gespeichert bleiben, wird über den bis Mitte 2006 vereinbarten Testlauf "zu einer fixen Einrichtung werden". Das prognostizierte Michael Lichtenegger, Geschäftsführer der Wiener Linien für den betrieblichen Bereich, am Rande eines Workshops über Terrorbekämpfung im öffentlichen Verkehr, der am Donnerstag und Freitag in der Wiener Hofburg stattgefunden hat.

Die lückenlose Videoüberwachung – in Wien soll sie nach dem Testlauf noch von der Datenschutzkommission abgeprüft werden – gehörte zu den dringendsten Antiterror- Empfehlungen bei der Veranstaltung der Internationalen Vereinigung für öffentlichen Verkehr (UITP) und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). In London – so Andrea Soehnchen von UITP – habe das funktionierende Underground-Videosystem die rasche Festnahme der Attentäter vom Juli 2005 ermöglicht: Ein Beispiel für eine "effiziente Antwort auf den Terror".

Abwehrdesign

Für Fahrgäste mindestens ebenso interessant dürften Vorsorgetipps gegen Anschlagspläne sein. Zwar stoßen diese – laut Soehnchen – in "offenen Transportsystemen mit Millionen täglichen Benützern" an Machbarkeitsgrenzen. Doch schon das Stationsdesign ("keine Ecken oder uneinsehbaren Umsteigtunnel") und die Präsenz von Überwachungspersonal könne Attentäter abschrecken.

In Wien – so Lichtenegger – entsprächen "alle moderneren U-Bahn-Linien" den baulichen Sicherheitsempfehlungen. Während die personelle Überwachung – im U-Bahn- Netz von eigens ausgebildeten Stationswarten ausgeübt – jetzt auch in der Schnellbahn verstärkt werden soll. Ab sofort patrouillieren dort in den Abendstunden vier Teams eines privaten Sicherheitsdienstes zu je zwei Mann durch Garnituren und Bahnhöfe – vorerst ein Monat lang.

Insgesamt dürfe man sich keine Illusionen über die Terror-Sicherheit des öffentlichen Verkehrs machen, warnte Karl Wycoff, Chef der OSZE-Antiterrorgruppe in der Hofburg. Die Londoner, Madrider und Moskauer Anschläge hätten gezeigt, dass Menschen in Zügen, U-Bahnen und Bussen verletzlich und daher "bevorzugtes Ziel von Attentätern" seien.

Dennoch sprach sich auch Wycoff gegen die neuesten einschlägigen US-Pläne in Sachen Antiterror aus: Das Fotografier- und Filmverbot in U-Bahnen, um Terroristen die Vorbereitung von Anschlägen zu erschweren, wurde beim Workshop zwar diskutiert, aber nicht empfohlen. (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 6./7. Mai 2006)

  • Videoüberwachung in der U3.
    foto: standard/christian fischer

    Videoüberwachung in der U3.

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