Der Wald als Kraftstofflieferant

21. April 2007, 10:31
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Benzin und Diesel aus Zellstoff und Holz: Alternative Technologien sollen mittelfristig die Abhängigkeit vom Erdöl verringern

Auch, wenn mittlerweile weltweit eine dreistellige Zahl an Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeugen (Linienbusse, aber auch Pkw) im Probebetrieb unterwegs ist, rechnet niemand damit, dass in den nächsten Jahren solche Fahrzeuge zu kaufen sein werden. Preislich liegen diese Vehikel noch immer sehr weit über dem gewohnten Niveau und auch die großflächige Versorgung mit Wasserstoff ist nicht einmal ansatzweise geklärt.

Immerhin: Mercedes hat mit einer Brennstoffzellenvariante der B-Klasse die Reichweite auf über 300 Kilometer verdoppelt, indem man ganz einfach den Druck in den Behältern von heute erlaubten 300 bar auf 700 bar erhöhte. Damit dieses Auto auf die Straße darf, müssen erst Gesetze geändert werden.

Nachwachsende Quellen

Eine näher liegende Vision ist hingegen der Ersatz fossiler Kraftstoffe durch solche aus nachwachsenden Quellen. Denn hier gibt es kein Problem mit der Versorgungsinfrastruktur. Synthetische Kraftstoffe sind dem Benzin und Diesel sehr ähnlich und können einfach je nach vorhandenen Mengen dem traditionellen Sprit beigemischt werden.

Prinzipiell gilt: Alkohol statt Benzin, Öle statt Diesel. Bereits verwirklichtes Beispiel: Schon jetzt wird dem Diesel in einigen EU-Ländern inklusive Österreich fünf Prozent Rapsmethylester beigemengt. Doch aller Anfang ist mühsam: Nachdem die europäische Landwirtschaft nicht in der Lage ist, diese Mengen selbst herzustellen, wird ein erheblicher Teil von anderen Kontinenten importiert.

Nur Früchte

Für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe wurden bisher nur die Früchte verwendet. Biodiesel etwa wird in Europa aus Raps gewonnen, in USA aus Soja, in Fernost aus Palmöl. Ethanol als Benzinersatz hingegen wird wie Schnaps gebrannt, etwa aus Zuckerrohr.

Jahrzehntelange Erfahrungen hat da Brasilien. Nachteile dieser bekannten Verfahren: Dadurch, dass nur die Früchte verwendet werden, ist der Gesamtwirkungsgrad nicht optimal. Außerdem ist es problematisch, in Ländern, wo Hunger herrscht, Lebensmittel zum Zweck der Fortbewegung zu verheizen.

Ethanol aus Zellulose

Aus dem Dilemma kommt man aber raus, indem man gar nicht erst Lebensmittelpflanzen verwendet, und man erreicht auch gleich einen höheren Wirkungsgrad, wenn ganze Pflanzen verarbeitet werden und nicht nur Früchte. So haben gerade erst Volkswagen und Shell bekannt gegeben, gemeinsam mit dem kanadischen Biotechnologiekonzern Iogen eine Machbarkeitsstudie zur Produktion von Ethanol aus Zellulose in Deutschland durchzuführen.

Gleichzeitig arbeiten DaimlerChrysler, VW und Shell schon länger gemeinsam mit Choren an einem Verfahren zur Gewinnung von Diesel aus Biomasse wie etwa Holz. Das sächsische Unternehmen Choren hat viele Jahrzehnte Erfahrung in der Entwicklung alternativer Kraftstoffe, liegt es doch auf dem Gebiet, das früher DDR hieß, und dort war Öl schon immer knapp.

Fest, gasförmig, flüssig

Diese Verfahren teilen sich in zwei Schritte: Das Geheimnis hohen Prozesswirkungsgrades liegt in der Vergasung des festen Brennstoffs, der danach verflüssigt wird. Das Praktische daran: Egal wie der Ausgangsstoff aussieht (man könnte auch Erdgas oder Kohle einsetzen), am Ende kommt ein identischer Kraftstoff raus.

Allerdings sind diese Kraftstoffe noch relativ teuer. Die Herstellung kostet annähernd so viel wie der heutige Preis an der Tankstelle samt Steuern. Doch mit immer teurer werdenden konventionellen Kraftstoffen und gezielten Förderungen könnte schon in ein paar Jahren ein nennenswerter Anteil aus eigenem Anbau kommen. DaimlerChrysler schätzt jedenfalls, dass die deutsche Land- und Forstwirtschaft in der Lage ist, 20 Prozent des Kraftstoffverbrauchs durch Sprit aus nachwachsenden Quellen zu substituieren. (Rudolf Skarics, AUTOMOBIL)

  • Bis zu 300 Kilometer Reichweite: Die Mercedes B-Klasse mit Brennstoffzelle.
    foto: werk

    Bis zu 300 Kilometer Reichweite: Die Mercedes B-Klasse mit Brennstoffzelle.

  • Versuch über Wasserstoff: der BMW H2R.
    foto: werk

    Versuch über Wasserstoff: der BMW H2R.

  • Nachhaltigkeit statt Verschwendung: der neutrale CO2-Kreislauf.
    foto: mercedes

    Nachhaltigkeit statt Verschwendung: der neutrale CO2-Kreislauf.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Zukunft kann auch gut aussehen: Die Saab-Studie Aero Concept von 2006 mit Ethanol-Antrieb.

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