Gefährliche Banksorgen

1. März 2007, 14:55
80 Postings

Angesichts der Kalamitäten der Gewerkschaftsbank sind ihr möglicher Kollaps und seine Folgen für Anleger zumindest einen Gedanken wert

Ein Bawag-Kunde, der sich in den vergangenen Tagen nicht einmal überlegt hat, ob seine Ersparnisse noch sicher sind, ist entweder eine echte Frohnatur oder ein konsequenter Medienmuffel. Denn angesichts der Kalamitäten der Gewerkschaftsbank sind ihr möglicher Kollaps und seine Folgen für Anleger zumindest einen Gedanken wert.

Doch wer sich solche Sorgen über Banken macht, trägt mit dazu bei, dass das Horrorszenario Wirklichkeit werden könnte. Eine Bankenpanik, in der hunderttausende Kunden ihre Einlagen abheben, kann selbst ein kerngesundes Institut ruinieren und die Stabilität eines ganzen Finanzplatzes gefährden.

Deshalb wäre es bei der Bawag jetzt so wichtig, das durch die Nachrichten aus New York erschütterte Vertrauen mit allen Mitteln zu stärken. Bawag-Chef Ewald Nowotny hat dies am Mittwoch versucht, indem er mehrmals auf die Einlagensicherung für kleine Sparer verwies. Doch sein Gesichtsausdruck im ORF-Interview verriet die eigenen Ängste. Nowotny weiß offenbar selbst nicht, welche Leichen noch im Keller der Seitzergasse oder in US-Gerichtsdokumenten vergraben sind.

Auch die Politik erweist sich als wenig hilfreich. Gegen jede Vernunft können es ÖVP und BZÖ nicht lassen, mit der Bawag plumpen Wahlkampf zu betreiben. Und die Ankündigung der Nationalbank, im Notfall Liquidität ins Bankensystem hineinzupumpen, hat so manche Befürchtungen eher noch bestärkt.

Und wenn selbst ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer von einer "dramatischen Situation" spricht, dann scheint auch der Eigentümer seine einstige Perle zugrunde richten zu wollen. Gerade kleine Sparer haben dank der Einlagensicherung keinen Grund zur Sorge - aber man kann es ihnen nicht verübeln, wenn sie sich ein wenig veräppelt fühlen. (Eric Frey; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.4.2006)

Share if you care.