Streit im Gemeinderat

2. März 2007, 17:12
12 Postings

Opposition beklagte fehlenden Masterplan und Parteilichkeit des Bürgermeisters - SPÖ betonte Bedeutung für Entwicklung im Süden

Wien - Noch sind nicht viele Planungsdetails bekannt, gestritten wird über die künftige Austria-Arena aber bereits: Auf Betreiben der Grünen war das Stadionprojekt Rothneusiedl am Montag Thema der Aktuellen Stunde im Wiener Gemeinderat. Grün-Mandatar Christoph Chorherr beklagte dabei, dass ein vernünftiger Masterplan ebenso fehle wie eine Widmung und Machbarkeitsstudie. SP-Gemeinderat Christian Hursky unterstrich die Bedeutung der Planungen für die Entwicklung im Wiener Süden.

Austria-Fan Chorherr

Während seiner Rede präsentierte sich Chorherr - nach eigenen Aussagen "gelegentlicher Fan der Austria" - mit einem Fanschal, den ihm seine Großmutter vor 20 Jahren gestrickt habe. Erfreut zeigte er sich dann auch über den Derby-Sieg am gestrigen Sonntag. Es folgte aber rasch auch Kritik: Der Verein hänge existenziell am Tropf des Sponsors Frank Stronach - und diesem würde nun jeder Wunsch erfüllt, um ihn zu halten.

Die Stadt investiere bis zu 500 Mio. Euro, damit ein privater Investor mit einem enormen Einkaufszentrum die Nahversorgung kannibalisieren könne. Jeder Grundstücksspekulant träume davon, dass ihm die Stadt ein solches Gebiet infrastrukturell erschließe. "Ein riesiges Shopping-Center in diesem Bereich ist absolut unverträglich", warnte Chorherr. Der Grüne brachte im Zusammenhang mit vermuteten Grundstücksspekulationen einen Untersuchungsausschuss und eine Überprüfung durch das Kontrollamt ins Gespräch.

Kenesei: "Kein Konzept"

"Es gibt überhaupt kein Konzept", bemängelte ÖVP-Mandatar Günter Kenesei an den Planungen der Stadtregierung. Bürgermeister Michael Häupl (S) agiere hier "mehr als parteiisch". Der Kuratoriumsvorsitzender der Austria handle gemäß dem Motto: "Ist mein Fußballverein in der Krise, stell' ich ihm ein Stadion auf die grüne Wiese."

FPÖ-Verkehrssprecher Herbert Madejski stellte für seine Partei klar: "Wir sind dafür, dass dort gebaut wird." Ein Stadion und ein sportliche Mehrzweckhalle seien in Wien dringend vonnöten. Die Verhandlungen über Grundstückskäufe dürften aber nicht in die Öffentlichkeit getragen werden, weshalb man sich wieder einem typischen "Versäumnis sozialistischer Planungspolitik" gegenüber sehe.

Rapid-Fan Hursky

SPÖ-Mandatar Hursky deklarierte sich in seiner Rede als Rapid-Fan. Aus dieser Perspektive könne die Austria für seinen Geschmack auch auf dem Grenzackerplatz in Favoriten spielen (einem mittelgroßen Sportplatz, Anm.). Der Stadionbau sei aber wichtig: "Wir wollen mit diesem Impulsgeber den Süden Favoritens weiterentwickeln", bekräftigte Hursky seine Zustimmung zu den Plänen. Er empfahl vor allem der ÖVP, Druck auf die eigene Bundesregierung auszuüben, damit diese die Finanzierung des U-Bahn-Ausbaus in die Wege leite.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Noch herrscht Ackerland-Idylle.

Share if you care.