Deutsche Metaller sagen Streik ab

27. Juni 2006, 15:24
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Die deutschen Metaller erhalten drei Prozent mehr Gehalt, damit ist der angedrohte Streik vom Tisch

Montag hätte die IG Metall mit der Urabstimmung über unbefristeten Streik beginnen wollen. Doch dann einigten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber nach wochenlangen Warnstreiks doch auf eine Lohnerhöhung. Der Kompromiss wurde für die 700.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen erzielt, hat aber für die anderen Tarifgebiete Vorbildcharakter.

Die 3,4 Millionen Beschäftigten der Metallbranche erhalten ab 1. Juli drei Prozent mehr Gehalt. Für die Monate April, Mai und Juni wurde eine Einmalzahlung von 310 Euro vereinbart. Dieser Vertrag gilt 13 Monate lang und enthält eine absolute Novität: Zum ersten Mal kann diese Einmalzahlung - je nach wirtschaftlicher Lage der Betriebe - ausbezahlt, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, gemindert oder sogar auf 620 Euro verdoppelt werden. Allerdings müssen sich die Arbeitgeber und Beschäftigte im Unternehmen gemeinsam auf das Vorgehen einigen. Sonst müssen doch die vereinbarten 310 Euro ausbezahlt werden.

"Diese echte Öffnungsklausel wird der Unterschiedlichkeit der Betriebe gerecht und ist ein wichtiges neues Instrument im Tarifvertrag", lobt Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegießer. Denn bisher galt der Flächentarifvertrag für alle Unternehmen gleichermaßen.

Unzufriedenheit

Der neue flexible Modus entspricht zwar einem von den Arbeitgebern seit Langem verfolgten Ziel, dennoch herrscht in deren Lager auch Unzufriedenheit, während IG-Metall-Chef Jürgen Peters von einem "sehr brauchbaren Ergebnis" spricht. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt klagt über eine "schwer verkraftbare Belastung" für viele Betriebe. Bernd Gottschalk, Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), lobt zwar die Differenzierung zwischen den Betrieben, meint aber: "Allerdings wurde dieser mit einer Lohnerhöhung erkauft, die der Wettbewerbsfähigkeit und der Stärkung des Standortes Deutschland keine Impulse liefern kann." Ursprünglich hatte die IG Metall fünf Prozent mehr Lohn gefordert, die Arbeitgeber hatten ein Plus von 1,2 Prozent geboten.

Während ein Metaller-Streik abgewendet wurde, stehen die Zeichen bei der Allianz auf Arbeitskampf. Da der Konzern Kranken-, Lebens- und Sachversicherungen nun unter einem Dach gebündelt hat, rechnet die Gewerkschaft Verdi mit einem Verlust von 10.000 Jobs. Derzeit laufen die Gespräche über einen Sozialplan - "zäh, schleppend und unbefriedigend", wie Verdi findet. Die Gewerkschaft ließ nun eine Haustarif-Kommission wählen, was der erste Schritt Richtung Streik sein könnte. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.4.2006)

Birgit Baumann aus Berlin "Gib mir 5" Prozent mehr Lohn, war die Parole bei den deutschen Metallern. Ein Kompromiss wurde bei drei Porzent erzielt.Foto: dpa
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    "Gib mir 5" Prozent mehr Lohn, war die Parole bei den deutschen Metallern. Ein Kompromiss wurde bei drei Porzent erzielt.

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