Immofinanz startet Kapitalerhöhung

2. Mai 2006, 14:48
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Mehr als 111 Millionen neue Aktien werden ausgegeben - Ost-Tochter Immoeast folgt mit bis zu 333,5 Millionen Stück

Wien - Die börsenotierte Immofinanz Immobilien Anlagen AG holt sich im Mai knapp eine Milliarde Euro über die Börse, kurz darauf wird die Immofinanz-Tochter Immoeast mit einer 3-Mrd.-Euro-Emission folgen, der bisher größten Kapitalerhöhungstransaktion in Wien.

Die Immofinanz braucht ihre jetzige Aufstockung vor allem dafür, um an der Immoeast weiter 50,46 Prozent halten zu können. Der Erlös aus der kommenden Immoeast-Emission ist für konkrete Objekte praktisch "schon ausgegeben", sagte Konzernchef Karl Petrikovics am Freitag.

Neue Aktien sollen maximal neun Euro kosten

Die bis zu 111,9 Mio. neuen Immofinanz-Aktien sollen maximal je neun Euro kosten, derzeit notieren sie bei 8,74 Euro. Bei der voraussichtlich im Juni folgenden Mega-Emission der Immoeast sollen bis zu 333,5 Mio. Stück begeben werden, wie dies am 20. März in einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen wurde; der Preis soll zwischen 8 und 10 Euro liegen, aktuell sind es 8,78 Euro. Novum bei der Immofinanz-Transaktion: Am 16. Mai soll der Preis - erstmals bei einer heimischen Immo-Aktie - via Bookbuilding-Verfahren ermittelt und am nächsten Tag bekannt gegeben werden, die Erstnotiz ist dann für den 18. Mai geplant.

Mit dieser Platzierung will die Immofinanz auch bei internationalen institutionellen Investoren Fuß fassen, sagte Vorstandsdirektor Norbert Gertner, deshalb lasse man sich bei dieser Tranche erstmals durch ausländische Banken begleiten: Die Global Coordinators und Bookrunner der Emission sind neben der Constantia Privatbank die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und die Deutsche Bank, Joint Lead Manager sind zudem Credit Suisse und Merrill Lynch, Co-Lead Manager bzw. Co-Manager sind BNP Paribas und Kempen.

100.000 Aktionäre

Interesse gebe es vor allem aus London, Deutschland, Frankreich und der Schweiz, sagte BA-CA-Vorstand Willi Hemetsberger. Außer in Österreich, wo laut Hemetsberger 30 bis 50 Prozent der Emission untergebracht werden könnte, gibt es öffentliche Angebote auch in Deutschland und Tschechien. Die Zahl der Immofinanz-Aktionäre dürfte damit von 90.000 auf 100.000 steigen und die Börsenkapitalisierung von 2,8 auf 3,8 Mrd. Euro klettern, schätzt Petrikovics.

Verwendet werden soll der Emissionserlös - neben der Finanzierung der Teilnahme an der geplanten Kapitalerhöhung der Immoeast - auch für Zukäufe weiterer Immobilien im Rahmen der Immowest Immobilien Anlagen AG und der Immoaustria Immobilien Anlagen GmbH. Der Schwerpunkt der Investitionen werde dabei im Ausland liegen. Die Immofinanz verfügt derzeit laut Petrikovics über 1.854 Immobilien im In- und Ausland mit 6,2 Mio. m2 Nutzfläche.

Je 23 Prozent dieser 6,2 Millionen m2 entfallen auf die Immoaustria und die Immoeast, 15 Prozent auf die Immowest und 39 Prozent auf die heimische Buwog/ESG. Von den 1.854 Immobilien zählen 1.490 zur Immoaustria, 114 zur Immoeast und 250 zur Immowest.

Investitionsschwerpunkt Deutschland

Zentrum der Investitionstätigkeit im neuen Geschäftsjahr 2006/07 (per 30.4.) ist Deutschland, während man den Österreich-Anteil reduzieren will, wie Petrikovics berichtete. Deutschland sei immer noch ein interessanter Markt, wenngleich die Preise nicht mehr so sensationell wie früher seien. Am deutschen Markt stünden einige Investitionen knapp vor Abschluss, einen "großen Kauf" werde man demnächst bekannt geben.

Nur in geringerem Ausmaß wolle man dagegen in Österreich investieren. Insbesondere solle der Wohnungsanteil reduziert und weitere Zinshäuser abgegeben werden, und verhalten wolle man auch wieder in Büroprojekte bzw. Fachmarktzentren investieren. Im Vorjahr habe man ein Dutzend Zinshäuser verkauft - mit einem Verkaufserlös von 20 Prozent über den Bilanz-Schätzwerten -, 2006/07 sollen weitere 10 bis 15 folgen, sodass der Immofinanz danach noch 40 bis 45 bleiben dürften. Das Hauptaugenmerk im Inland wolle man auf die Optimierung des Bestands legen, etwa im Bereich von Buwog und ESG.

"Dorado" im Osten

Das Dorado schlechthin sei weiter der Ost-Immo-Markt, der nach Einschätzung von Petrikovics derzeit "gerade erst richtig anspringt" und sich "dort befindet, wo wir im Westen in den 50er Jahren waren". Die Miet-Renditen bezogen auf die Verkehrswerte bezifferte Petrikovics mit 7 Prozent in der Immoeast, 5,6 Prozent in der Immowest und 5,9 Prozent in der Immoaustria.

Der Net Asset Value (NAV) pro Immofinanz-Aktie hat sich laut Vorstandsdirektor Norbert Gertner in den vergangenen 21 Monaten um 45 Prozent erhöht. Waren es Ende April 2004 erst 5,91 Euro/Aktie, stieg dieser Wert bis vor einem Jahr auf 7,24 Euro und heuer bis April auf 8,56 Euro/Aktie. Gertner verwies auch auf die ansehnliche Aktienkursentwicklung in den vergangenen Jahren: Die 1-Jahres-Performance sei per 31.1. bei über 20 Prozent gelegen, für 3 Jahre bei über 13 Prozent jährlich, für 5 Jahre bei mehr als 11 Prozent p.a., und die Wertsteigerung im Schnitt der vergangenen 10 Jahre habe sich mit 9,79 Prozent p.a. der 10-Prozent-Marke genähert. (APA)

  • Immofinanz- Vorstandschef Karl Petrikovics wird demnächst einen großen Zukauf in Deutschland bekannt geben.
    foto: standard/andy urtban

    Immofinanz- Vorstandschef Karl Petrikovics wird demnächst einen großen Zukauf in Deutschland bekannt geben.

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