"Hat nie so gewirkt, als hätte er Geldprobleme"

2. Juni 2000, 11:27

Bekannte beschreiben Alexander Jost als wohlhabend

PORTRÄT
Foto: APA/GEPA
Frau mit schwerem Schicksal
Magda Jost-Bleckmann, als freiheitliche Politikerin erfolgreich

Reaktionen der politischen Mitbewerber
Betroffenheit herrscht vor - Konsequenzen für Landtagswahlen sollen erst nicht gezogen werden

Für die Kriminalisten ist es kaum nachvollziehbar, ob das Geld aus erfolgreichen Geschäften oder einer Serie von Banküberfällen stammt. Die Akte Jost könnte deswegen bald geschlossen sein.

Linz/Graz - "Er wird das Geheimnis seines Doppellebens mit ins Grab nehmen", resignierte einer der ermittelnden Beamten am Donnerstag. Nach dem Tod Alexander Josts, des Gatten der steirischen Landesrätin Magda Jost-Bleckmann, ist kaum Licht in die Hintergründe des Banküberfalles in Linz zu bringen. Das Motiv für die Tat ist ebenso unklar wie die Lebensumstände des Erschossenen.

Nach den ersten Erhebungen der Polizei hatte Jost keine Schulden. Auch bei den Kreditschutzverbänden ist keinerlei Evidenz dafür vorhanden. Für Grazer Bekannte hat der mutmaßliche Bankräubers "nie so gewirkt, als hätte er Geldprobleme". Im Gegenteil, der stets adrett gekleidete 38-Jährige habe sich durchaus teure Hobbys (Maledivenurlaube oder große Motorräder) leisten können.

Dennoch soll der Grazer laut Bekannten einer gewesen sein, der "sich nie in die Karten hat schauen lassen". Über die geschäftlichen Aktivitäten des ehemals schlagenden Burschenschafters - er hatte eine Firma namens Marketing Consult International - gibt es verschiedenste Spekulationen: Die Angaben reichen von Patenten auf Handyladegeräte aus Asien bis hin zum Vertrieb von Putzmitteln.

Genau geplant

Für Christian Grufeneder von der Linzer Polizei ist indes klar, dass Jost die Tat genau geplant hat: "Er dachte auch an kleine Details, wie das Überkleben des Markenzeichens auf seinen Schuhen." Ob noch weitere Banküberfälle in Linz oder Graz - dort wird gemutmaßt, dass Jost als ein mit Comicmasken vermummter Täter mehrere Geldinstitute überfallen haben könnte - auf sein Konto gehen, wird sich möglicherweise nie klären lassen.

"Ich wage zu bezweifeln, dass alleine aufgrund von Zeugenaussagen eine Beweisführung möglich sein wird", erklärt Grufeneder. Es würden zwar informell auch die anderen Bundesländer verständigt, da der mögliche Täter aber bereits tot ist und strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden kann, wird die Akte wahrscheinlich bald geschlossen werden.

Das Obduktionsergebnis wird im Laufe des Freitags eintreffen, hieß es bei der Polizei. Wie berichtet, war Jost bei drei Schusswechseln von insgesamt fünf Kugeln getroffen worden. Da er trotz seiner Verletzungen immer wieder seine Pistolenattrappe auf die Beamten richtete, ist die Polizei von einem "Selbstmord durch Polizisten" überzeugt. Warum der 38-Jährige nach den ersten Schusswechseln nicht entwaffnet wurde, bleibt dennoch ungeklärt.

Mögliche politische Folgen für die steirischen Landtagswahlen im Oktober bleiben bis auf weiteres offen: Der steirische FP-Obmann, Infrastrukturminister Michael Schmid, sagte in Graz: "Angesichts dieser tragischen Situation hat die Politik jetzt Sendepause". (chr/koe/moe)

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