Aktionsradius Augarten: Provinz auf der Schaufel

22. Mai 2006, 18:21
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Der Schriftsteller, Filmemacher und Musiker Peter Wagner wird 50 Jahre alt - Am Gaußplatz wird gefeiert

Wien - Peter Wagner schrieb Stücke wie "Lafnitz", "Burgenland. Eine Farce" oder "Oberwart. Mon amour." Er machte Filme wie "Die Roma-Schauer", schrieb Bücher wie "Aktion am Drulitschweg" und verfasste Hörspiele. Mit aktionistischen Interventionen löste er Debatten aus, ohne die die Selbstreflexion der burgenländischen Gesellschaft unscharf bliebe. Peter Wagner gilt als eine Verkörperung des Prinzips der Freiheit der Kunst, nun wird er 50 Jahre alt. Der Aktionsradius Augarten bereitet ihm mit einer Veranstaltungsserie am Gaußplatz 11 ist eine Art Geburtstagsfest.

Szenische Lesung und Ausstellungseröffnung

Den Auftakt macht am 2. Mai (19.30 Uhr, Eintritt frei) die szenische Lesung von "Inland. Ein Bühnenpoem", das drei Jahre nach Beginn der schwarzblauen Koalition als Versuch entstand, den Inlandsteil einer Profil-Ausgabe vom Frühjahr 2003 zu "dramatisieren". An der Lesung nimmt neben u.a. Clemens Berger, Alexander Benkö, Michaela Hurdes-Galli und Alfred Masal auch Wagner selbst teil.

Darüber hinaus wird auch die Ausstellung "Das Märchen der Musik" von Eveline Rabold mit Texten von Peter Wagner eröffnet. Der 12-teilige Plakatzyklus, der mit dem Burgenländischen Landeskulturpreis für Künstlerische Grafik 2003 ausgezeichnet wurde, ist anschließend bis 2. Juni am Gaußplatz 11 zu sehen.

"Österreich, Liebling"

Wagner versteht seine Identität als Schriftsteller immer auch politisch – so dass sich seine Textprojekte immer mit aktionistischen Projekten paarten. So entstand 1980 eine "Aktion Zigeunerdenkmal", die überhaupt das erste Mal in der Geschichte des Burgenlandes an den Massenmord an den Roma in der NS-Zeit hinwies. Neben dieser Aktion stellt der Autor am 9. Mai (19.30 Uhr, Eintritt: 5 Euro) weitere politisch-künstlerische und satirische Interventionen vor, wie die Motorsägensymphonie, das Kery-Beobachtungskomitee, das Projekt "Burgenland. Eine Farce" oder die Roma-Sitcom. Danach steht - nach Publikumsverkostung - eine Prämierung der drei "Schlechtesten Weine des Burgenlands" auf dem Programm. Es besteht die Erwerbsmöglichkeit des "Zertifikats für Titellose: Botschafter der Provinz" um je 50 Cent.

Wenn die Arbeit los ist

Eine Woche später, am 16. Mai (19.30 Uhr, Eintritt: 5 Euro), wird ein Dokumentarfilm von Christa Wagner über das Theaterprojekt "Dorf. Interrupted" gezeigt: 15 Menschen aus dem Bezirk Oberwart hatten durch die Initiative Peter Wagners und durch die finanzielle Mitwirkung des AMS für zweieinhalb Monate eine Anstellung erhalten, um eine Herausforderung anzunehmen, die für die meisten absolutes Neuland bedeutete: das nicht eben unschwierige Stück der jungen burgenländischen Autorin Katharina Tiwald auf die Bühne zu bringen. Im Anschluss gibt es eine Diskussion mit VertreterInnen von Projekt "Dorf. Interrupted", AMS, AMS-Training, Wirtschaftsjournalismus und Sozialpartner. Dazu wird Bohnensterz und Bohnenrahmsuppe, vom Regisseur persönlich gekocht, serviert.

Die Uraufführung des Spielfilms "Die eiserne Grenze", der im Jahr 1989 an der österreichisch-ungarischen Grenze spielt, steht am 23. Mai (19.30 Uhr, Eintritt: 7 Euro) auf dem Programm.

Eros Kadaver Projektil

20 Jahre nach "Paganinis Kinder" steht Peter Wagner am 30. Mai im Shelter (Wallensteinplatz 7, 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro) erstmals wieder mit einer eigenen Formation und neuem musikalischen Ehrgeiz auf der Bühne. Mit der Rock-Interpretation und damit der Wiederauferstehung des Lieds "Waaßt du, wo Auschwitz liegt" setzt Peter Wagner die Serie seiner künstlerischen Auseinandersetzungen mit Purdy Pista fort, den legendären Zigeunermusiker aus Oberwart, den Wagner schon in Hörspielen und anderen Erzählungen verewigt hatte. (red)

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Peter Wagner

Aktionsradius Augarten
Gaußplatz 11
1200 Wien
Tel. 01/332 26 94
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  • Erstmals seit 20 Jahren steht Peter Wagner am 30. Mai wieder mit einer eigenen Formation und neuem musikalischen Ehrgeiz auf der Bühne.
    foto: aktionsradius augarten

    Erstmals seit 20 Jahren steht Peter Wagner am 30. Mai wieder mit einer eigenen Formation und neuem musikalischen Ehrgeiz auf der Bühne.

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