Fehler- und Mängelliste im Güterverkehr sehr lang

4. Mai 2006, 19:40
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Scharfe Kritik übt der Rechnungshof an Mana­gement und Eigentümer - Realistische Annahmen für Umsatz und Ertrag der "Cashcow" fehlen

Wien – Zum Teil schwere Mängel und Fehlleistungen im ÖBB-Güterverkehr (Rail Cargo Austria, RCA) deckt der Rechnungshof (RH) in seinem am Dienstag vorgelegten Prüfbericht für 1999 bis 2003 auf. Kritik üben die staatlichen Buchprüfer sowohl am Eigentümervertreter Verkehrsministerium als auch am ÖBB- Management, an dessen Spitze bis Ende 2001 Helmut Draxler stand, danach der von FPÖ- Verkehrsministerin Monika Forstinger eingesetzte Rüdiger vorm Walde.

Diametrale Entwicklung

In Zahlen ausgedrückt, entwickelte sich die RCA diametral zu ihren jährlich erstellten Mittelfristplanungen: Der Umsatz stieg 2001 von rund zehn auf knapp 10,05 Milliarden Euro, um 2002 wieder auf das Niveau von 2000 zurückzufallen, auf dem die RCA bis 2004 blieb. Die dem ÖBB-Vorstand und Aufsichtsrat wohl vorgelegten, aber nie beschlossenen Vier- bzw. Fünfjahrespläne hingegen gingen jeweils unverändert von signifikanten Steigerungen, basierend auf dem Wert des Jahres 2001, aus.

Der Gewinn vor Zinsaufwand und Steuern (Ebit) sollte laut Mittelfristplanung 2000 bis 2003 von rund 180 auf 210 Mio. Euro steigen, sank 2000 bis 2004 aber von 140 auf 35 Mio., ohne dass sich dies in den Mittelfristplanungen niederschlug. Die Planung 2004– 2007 ging unverändert von rund 60 Mio. Ebit aus, obwohl selbiges laut RH-Prüfern 2004 nur rund 40 Mio. Euro betrug.

Der RH lobte die Eisenbahner für ihr Ansinnen, nach Osteuropa zu expandieren, empfahl aber, die raschere und nachvollziehbare Umsetzung und die Basis "realistischer" anzusetzen."

Zu Hohe Consulter-Ausgaben

Kritik gab es auch für die Vertriebs- und Abrechnungssoftware, die ein Consulter anfertigte: "Dem genehmigten Budget von 13,96 Mio. Euro stand ein erwarteter Nutzen von jährlich 9,65 Mio. Euro gegenüber." Realisiert wurden nur 60 Prozent der Funktionalität, während die Kosten um 11,15 Mio. Euro überschritten wurden, obwohl die Eigenleistungen um 66 Prozent auf 4,6 Mio. Euro stiegen.

Schlecht kommt auch das – in der Vorwoche mit dreijähriger Verspätung in Betrieb genommene – Logistik Center Linz weg. Es entsprach nicht den Anforderungen der Bahn und wies "gravierende bauliche und logistische Mängel" auf, weshalb die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben war. Hier liegt die Schuld, wie berichtet, nicht nur bei den ÖBB, sondern auch bei Generalunternehmer Siemens. Der Streit endete im Februar 2006 mit einem Vergleich, der Elektronikkonzern musste auf Forderungen verzichten. Fazit des RH: Das Logistik Center Wien- Inzersdorf sollte vorerst gar nicht gebaut werden. (ung, DER STANDARD Printausgabe 12.04.2006)

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