To Chardonnay oder nicht to chardonnay

17. April 2006, 18:30
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Modetrinken - Trinkermoden. War Chardonnay früher ein Selbstläufer, weil einfach schwer in Mode, müsse man heute schon viel reden, um Kunden zu einer Probe zu überreden

Aus Winzermund ist in letzter Zeit nicht selten zu vernehmen, dass Chardonnay heutzutage nicht mehr ganz so leicht zu verkaufen ist wie noch vor wenigen Jahren. War Chardonnay früher ein Selbstläufer, weil einfach schwer in Mode, müsse man heute schon viel reden, um Kunden zu einer Probe zu überreden.

Ja, ja die gute alte Zeit: Im Prinzip war’s egal, ob der Chardonnay von einer Edellage kam oder in der Badewanne ausgebaut wurde. Ein genäseltes „ein Glas Chardonnay, bitte“ verhalf so manchem Vorstadt-Beau für kurze Zeit zum Flair der großen Welt und belästigte in den handelsüblichen Durchschnittsqualitäten niemanden mit allzu aufdringlichen Aromen. Außer vielleicht mit Vanille, einer seinerzeit durchaus geschätzten Geschmacksrichtung – je Holz desto lieber. Das Aroma erkennt halt leicht und man kann’s im Notfall sogar benennen.

Dann kam ABC, „Anything But Chardonnay“, was übrigens bei Bedarf praktischerweise auch als „Anything but Cabernet“ interpretiert werden kann. Chardonnay verlor an Standing, vor allem „überholzten Neue-Welt-Chardonnays“ wurden liebend gerne gebrandmarkt. Wobei man leider nur allzu gerne übersieht, dass exzessiver Holzeinsatz weder an Kontinenten, neuen oder alten Weinwelten noch an Landesgrenzen festzumachen ist.

Derzeit gibt es deutliche Abkehr von Weinen mit zu aufdringlichen Holzaromen, die Weinfans – wie auch Journalisten und andere Profis der Branche – noch vor einigen Jahren in helles Entzücken versetzen konnten. Frucht und Struktur heißen die aktuellen Schlagworte, was nichts anderes heißt, als dass auch schlankere, elegantere Weine verstärkt Zuspruch finden: solche, die nicht mit atemberaubenden Alkoholwerten beeindrucken, sondern mit Ausgewogenheit - ein bisschen von möglichst allem und das in den richtigen Proportionen. Zuviel Alkohol im Verhältnis zu den restlichen Komponenten zum Beispiel verursacht Fleckbenzin-Feeling, zuviel Säure kann einem minutenlang zeigen, wo Speiseröhre und Magen daheim sind, ohne dass andere Geschmackskomponenten auch nur den Funken einer Chance haben, zur Geltung zu kommen. Beides ist unerfreulich.

Chardonnay hat aber – immer noch - seine universalistischen Qualitäten: Es gibt ihn von atemberaubend individuell und vielschichtig (vgl. weiße Burgunder) bis zu trinkbar, weil neutral. Die Mehrzahl der Champagner kommt nicht ohne ihn aus. Und er ist zuverlässig und ein häufig passender Essensbegleiter. Bei guter Behandlung auf speziellen Standorten (vgl. weiße Burgunder oder so manche österreichische Lagen-Chardonnays z.B. vom Leithagebirge) und kann er sowohl in kühlen Klimazonen (Champagne, Chablis) wie auch in warmen Gefilden (z.B. Australien) wirklich beeindruckende und nachhaltige Geschmackserlebnisse bringen.

Trends sind so normal wie das Leben selbst, auch beim Weintrinken. Freude an gutem Wein sollte man sich durch keinen Hype aufs Auge drücken lassen - Trinkmoden her oder hin. Ob es schmeckt, gibt sicher kein Trend vor, sondern nur der eigene Gaumen. Große, weite Welt hin oder her.

Luzia Schrampf

Die wöchentliche Kolumne befasst sich mit Phänomenen, Beobachtungen, Themen rund um das aktuelle Weingeschehen.

Die Themen ergeben sich aus eigenen Beobachtungen oder aus – so hoffe ich - den Postings und Diskussion unserer Userinnen und User
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