Geschwindigkeit der Eisschmelze stellt alle Modelle in den Schatten

9. Oktober 2006, 18:09
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Grönland-Gletscher haben Abschmelz-Geschwindigkeit teilweise verdreifacht - Westantarktis verliert dramatisch an Masse

Wien - Langsam aber sicher verdichten sich die Aussagen von Wissenschaftern, dass die Eisvorräte unseres Planeten immer schneller dahinschmelzen. Bei der noch bis Freitag in Wien stattfindenden Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) präsentierte Eric Rignot vom Jet Propulson Laboratory (US-Bundesstaat Pasadena) Untersuchungen, wonach sich die Abfluss-Geschwindigkeit und somit der Masseverlust von Grönland-Gletschern teilweise dramatisch erhöht hat.

Die Vermessung von Eismassen ist auch mit modernsten Methoden eine schwierige Angelegenheit. So stehen Bilanzrechnungen auf Basis von Niederschlag einerseits und Abfluss andererseits zur Verfügung, die Beobachtung von Oberflächen unter anderem mit Satelliten oder neuerdings auch Schwerkraft-Messungen, ebenfalls über Satellitenunterstützung. Die Vielfalt der Methoden habe dazu geführt, dass es in der Vergangenheit oft widersprüchliche Aussagen über den Zustand von Eismassen gab.

Schmelz-Geschwindigkeit, die alle "Modellrechungen in den Schatten stellt"

Mittlerweile gibt es aber kaum mehr Zweifel daran, dass etwa die Polkappen immer schneller schmelzen. "Und zwar mit einer Geschwindigkeit, die alle Modellrechnungen der Vergangenheit in den Schatten stellen", berichtete Richard Alley von der Pennsylvania State University am Montag.

Rignot verwendet unter anderem satellitengestützte Radar-Messungen, um die Geschwindigkeit von Gletschern zu bestimmen. An den Rändern des Grönland-Eises haben diese Ströme ihre Geschwindigkeit teilweise verdoppelt und verdreifacht und das innerhalb von zwei Jahren, so der Forscher. Die daraus errechneten Masseverluste nehmen sich ebenso dramatisch aus und die Entwicklung scheint sich zu beschleunigen.

Gravitationsänderung als Gradmesser

Isabella Velicogna von der University Colorado setzt zur Bestimmung der Eismassen Schwerkraft-Messungen des Experiments GRACE ein. Ein Masseverlust eines Gletschers macht sich nämlich durch geringere Gravitation bemerkbar, mit mehreren Satelliten lässt sich diese minimale Veränderung mittlerweile messen. Dabei machen sich die Wissenschafter den Umstand zu Nutze, dass unterschiedliche Massen Satelliten abbremsen bzw. beschleunigen.

Mittlerweile sind Bestimmungen über den Zeitraum von 2002 bis 2005 ausgewertet. Der Masseverlust betrug dabei in der Westantarktis rund 150 Kubikkilometer pro Jahr. In der Ost-Antarktis, in der bekanntermaßen stabilere Verhältnisse herrschen, ist ein derartiger Verlust nicht feststellbar, allerdings herrschen hier noch Messunsicherheiten. (APA)

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    Die aktuellen Messungen zeigen: Besonders an den Polen hat der Masseverlust der Gletscher dramatisch an Geschwindigkeit und Ausmaß zugenommen.

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