Aufenthaltsantrag aus dem fernen Schanghai

31. März 2006, 09:40
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Österreichischer Ehemann flog abgeschobener Chinesin nach

Schanghai/Wien - "Momentan fühlen wir uns beide überglücklich", berichtet Adolf Brichta am Telefon aus Schanghai. Seit zwei Tagen sind der 41-jährige Wiener und seine Ehefrau Zou Youeying wieder vereint - in Zous Heimatland China. Dorthin war die 37-Jährige vorletzten Donnerstag von den österreichischen Fremdenbehörden abgeschoben worden, obwohl sie im vergangenen Jahr einen Antrag auf Niederlassung gestellt hatte. So wie es das Gesetz damals verlangte.

Am Mittwoch besuchten Zou und Brichta das österreichische Konsulat in Schanghai. Gemeinsam füllten sie dort das Formular für Zous - zweiten - Aufenthaltsantrags aus dem Ausland aus. So wie es das neue Niederlassungsgesetz verlangt, das (zum Schaden hunderter binationaler Ehepaare) ohne Übergangsfristen eingeführt wurde.

Die Konsulatsbeamten nahmen den Antrag an und versprachen, ihn rasch zur zuständigen MA 20 nach Wien zu schicken. Doch wie diese mit dem Begehr umgehen soll, ist unklar - bestimmt doch das neue Gesetz dass "das Stellen weiterer Anträge während eines anhängigen Verfahrens (. . .) nicht zulässig" ist.

"Legale und humane Lösung finden"

"Was mit Zou Youeyings ersten Antrag passieren soll, ist eine Rechtsfrage, die wir noch klären müssen", sagt denn auch MA-20-Leiterin Beatrix Hornschall. Ihre Beamten hätten jedoch "den Ehrgeiz, eine legale und humane Lösung zu finden".

Brichtas Anwalt Stephan Wehrberger macht sich Sorgen wegen der noch nicht beschiedenen Berufung gegen die Abschiebung Zous. Die diesbezügliche Entscheidung werde zeigen, ob die Fremdenbehörden die unbescholtene Chinesin weiter als öffentliche Gefahr für Österreich betrachteten. "Bleiben sie dabei, kann es lang dauern, bis Zou Youeying nach Österreich zurück darf". (DER STANDARD - Printausgabe, 30. März 2006)

Von Irene Brickner

Spenden für Zou und Brichta: PSK, BLZ: 60000, Kontonummer: 91000590, Kennwort: Abschiebung
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