Antidepressiva für Kinder weiter in Diskussion

27. März 2006, 10:30
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US-Auswertung von Studien: Vermehrt suizidales Denken und Verhalten bei Kindern und Jugendlichen

New York - Der Einsatz von Antidepressiva steigert bei Kindern und Jugendlichen suizidales Denken und Verhalten deutlich. Nach Auswertung von insgesamt 24 Studien kommt die US-Zulassungsbehörde FDA zu dem abschließenden Befund, dass die Mittel die Suizidalität minderjähriger Patienten im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung nahezu verdoppeln. Allerdings kam es in den 24 Untersuchungen zu keinem einzigen Suizid.

In den Studien wurden die Auswirkungen von Antidepressiva bei Patienten mit Depressionen, Zwangsstörungen, verschiedenen Angststörungen und bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit denen eines Scheinpräparats verglichen. Bei der Auswertung legte die Behörde strengere Maßstäbe für den Begriff Suizidalität an, wie das "British Medical Journal" (BMJ) berichtet. Demnach traten derartige Gedanken und solches Verhalten bei mit Antidepressiva behandelten Kindern etwa doppelt so häufig auf wie in den Placebo-Gruppen. Bei der Therapie von Depressionen mit den neueren Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) war die Suizidalität etwa um den Faktor 1,7 erhöht.

Der Harvard-Experte Ross Baldessarini sagte dem BMJ, dass die Hinweise auf einen Nutzen von Antidepressiva bei Minderjährigen ohnehin sehr schwach seien. Der Psychologe Irving Kirsch von der Universität Plymouth betonte, dass bei Kindern der Unterschied zwischen Antidepressiva und Placebos minimal sei. (APA/AP)

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