Drei Kilometer langer Rekord-Eiskern ausgewertet

12. Juli 2006, 14:24
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Eis stammt aus der Antarktis und ist bis zu 740.000 Jahre alt - Rückschlüsse auf wechselvolle Klimageschichte

Bremerhaven - Ein in der Antarktis gebohrter und mit über drei Kilometern Länge größter Eiskern der Welt ermöglicht Rückschlüsse auf die vergangene Klimageschichte. Ein europäisches Wissenschafterteam unter Beteiligung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (Bremerhaven) hat das bis zu 740.000 Jahre alte Eis nun untersucht. Die Studie veröffentlicht das Fachjournal "Nature" (Bd. 440, S. 491) an diesem Donnerstag.

Der bereits im Dezember 2004 während des EPICA-Projekts (European Project for Ice Coring in Antarctica - Europäisches Projekt zur Eisbohrung in der Antarktis) gewonnene Eiskern enthalte mehr als acht aufeinander folgende Wechsel von Kalt- und Warmzeiten. Der Kern ist somit auch das längste kontinuierliche Eiskernarchiv, das jemals gewonnen wurde.

Klimawechsel folgen Regeln

Wissenschafter untersuchten die Konzentration chemischer Komponenten aus Aerosolpartikeln im Eis. Diese Teilchen wurden mit dem Wind in die Antarktis transportiert. Es zeigte sich nach Angaben der Forscher, dass die Ausdehnung des Meereises rund um die Antarktis stets eng an die Temperatur gebunden war. Gleichzeitig war der Süden Südamerikas deutlich trockener und windiger als heute, was zu einem erhöhten Staubeintrag in die Antarktis führte. Diese Staubteilchen stellen Nährstoffe dar für kleine, im Wasser schwebende Algen.

Allerdings konnte eine Zunahme an Organismen in Kaltzeiten nicht beobachtet werden. "Zumindest für den südlichen Teil des Südozeans müssen wir Vorstellungen über eine Erhöhung der biologischen Produktivität in Eiszeiten neu überdenken", sagte Hubertus Fischer vom Alfred-Wegener-Institut.

Die aus dem Eiskern gewonnenen Daten liefern Hinweise darauf, dass die Erde im Verlauf von Klimaänderungen Regeln folgt. "Wenn wir diese Regeln verstehen, können wir Klimamodelle und somit auch Prognosen für die Zukunft verbessern", erklärte Eric Wolff vom British Antarctic Survey. (APA/dpa)

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