Styrian Spirit könnte Sprit ausgehen

24. März 2006, 13:44
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Grazer Stadtwerke wollen die Airline mit frischem Geld versorgen - SPÖ und ÖVP fürchten sich vor neuem "Estag-Skandal"

Graz – Es steht Spitz auf Knopf. Wenn die Mehrheit des Aufsichtsrates der Grazer Stadtwerke AG heute, Donnerstag, gegen eine Übernahme der Regionalfluglinie Styrian Spirit stimmt, könnte dies in der Konsequenz auch das Aus der Airline bedeuten. Das zumindest befürchten Aufsichtsratsmitglieder und Miteigentümer der Fluglinie gegenüber dem STANDARD. Die Fluglinie braucht dringend frisches Geld – wie vor einem Jahr.

Unbeliebter Deal

Durch die Hereinnahme der Stadtwerke, die die Mehrheit übernehmen würden, und des Salzburger Flughafens sollte die Zukunft abgesichert werden. 6,5 Mio. Euro müssten fließen. 1,5 Mio. vom Flughafen Salzburg, fünf Mio. Euro von den Stadtwerken. Im politisch besetzten Aufsichtsrat der Stadtwerke gibt es de facto aber kaum noch Befürworter für den Deal. Er ist einfach zu heiß geworden. Denn über allem schwebt plötzlich das Estag-Gespenst. Niemand in der Politik will nochmal einen derartigen Skandal provozieren, der letztendlich sogar die Landtagswahl wesentlich beeinflusst hatte.

Organhaftungs-Klagen

Im Kern ging es bei der Affäre um den steirischen Energiekonzern Estag um die Beteiligungspolitik des Unternehmens. Den Estag-Chefs wurde unter anderem zur Last gelegt, sich an branchenfremden Betrieben wie eben auch der Styrian Spirit zu beteiligen. Landeshauptmann Franz Voves hat dieser Tage sogar Organhaftungsklagen gegen ehemalige Estag-Vorstände nachgereicht, da auch der letzte Rechnungshofbericht nicht alle Zweifel bei einer der Beteiligungen, der Therme Ottendorf, ausräumen konnte.

Die Politik ging jedenfalls in de letzten Tagen völlig auf Distanz, verweigerte öffentliche Gelder und die politisch arrangierten Vorstände der Stadtwerke werden wohl mitziehen müssen. Obwohl: Sie sind im Dilemma. Die Grazer Stadtwerke sind Eigentümer des Grazer Flughafens, zehn Prozent des Passagieraufkommens kommen von der Styrian Spirit.

Angeblich drei Mio. Euro an Styrian-Spirit-Gebühren werden dort abgeliefert. Fällt der Quotenbringer weg, sinkt auch die Rentabilität des Flughafens. Der Umkehrschluss der Stadtwerke: Man müsse also die Fluglinie kaufen, um den Flughafen auszulasten. Die Politik aber zweifelt an der Zukunft der Airline, die Styrian-Chef Andreas Rösslhuber am Mittwoche durchaus rosig beschrieb.

Auf jeden Fall fliegen

Man werde in jedem Falle weiterfliegen, mit oder ohne Kapitalerhöhung. 2005 sei 40 Mio. Euro Umsatz verbucht worden bei einem operativen Verlust einer "einstelligen Millionen-Summe". Es existieren rund zwölf Mio. langfristige Verbindlichkeiten, bis zu acht Mio. Euro kurzfristige.

Die bisherigen Airline- Eigentümer wollen jedenfalls bei der Kapitalerhöhung nicht mitziehen. Sie nehmen – im Falle einer Stadtwerkeübernahme – lieber eine dramatische Reduktion ihrer Anteile in Kauf. Wie das Land Kärnten, das mit 43 Prozent jetzt die Mehrheit hält.

"Privatsache"

Einer der Eigentümer im Hintergrund: Hofrat Josef Marko, Leiter der Kulturabteilung des Landes Steiermark. Marko war zuvor Bezirkshauptmann von Feldbach, ist Inhaber der Arkansit-Vermögensverwaltungs und hält rund 14 Prozent der Airline-Anteile. "Das ist meine Privatsache", sagt Marko im STANDARD-Gespräch: "Wenn die Stadtwerke nicht kaufen, steigen auch die Salzburger aus und dann droht am Freitag der Gang zum Konkursrichter." (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe, 23.03.2006)

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    foto: styrian spirit
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