"Nur Gesetze werden nicht genügen"

21. März 2006, 18:29
posten

Eine türkische Journalistin und zwei zypriotische Reporter sind die Preisträger des diesjährigen "Press Freedom Award"

Eine türkische Journalistin und zwei zypriotische Reporter sind die Preisträger des diesjährigen "Press Freedom Award". Ihre Berichte liefern ein und dieselbe Botschaft: Pressefreiheit bleibt ein fragiles Gut.

***

"Vogelfreie Gesellen" seien Journalisten heute manchmal, meint Rubina Möhring, Präsidentin von "Reporter ohne Grenzen" (ROG). Nach drei Jahren Irakkrieg seien etwa mehr tote Journalisten als im gesamten Vietnamkrieg zu beklagen. Mehr gab es nur im Zweiten Weltkrieg: "Journalisten haben offensichtlich einen anderen Stellenwert als früher", kritisiert Möhring. Bei der Verleihung des mit 15.000 Euro dotierten ROG-"Press Freedom Award" Montagabend im Wiener Haus der Musik mahnte Möhring deshalb einmal mehr Pressefreiheit als unschätzbares Gut ein.

Selbiges wurde laut Jury von den diesjährigen Preisträgern besonders hochgehalten: Die türkisch-zypriotische Journalistin und Friedensaktivistin Sevgül Uludag, der griechisch-zypriotische Journalist Makarios Drousiotis sowie Demet Bilge Ergün aus der Türkei stellten sich bei der Gelegenheit einer Diskussion.

Gewalttätige Zeichen

Uludag und Drousiotis arbeiten in ihren Artikeln die blutige Vergangenheit Zyperns auf. Seither werde er nicht mehr zu Fernsehdiskussionen eingeladen, berichtet Drousiotis: "Ich nehme das als Zeichen dafür, dass die Kräfte hinter dieser Gewalt immer noch Einfluss haben."

Im Moment herrsche vordergründig ein offenes Klima, stimmt Uludag zu. Ein fragiles Gebilde, fürchtet sie: "Wenn etwas mit dem türkischen EU-Beitritt schief läuft, könnte alles wieder neu aufflammen."

"Gesetze allein werden nicht genügen", glaubt Demet Bilge Ergün. Ihr preisgekrönter Artikel basiert auf einer Recherche in einem Istanbuler Frauenhaus. Damit die Gesetze auch eingehalten würden, bräuchte es "Trainingsprogramme für Richter".

Nach Grenzen der Pressefreiheit fragte Diskussionsleiter und STANDARD-Chef vom Dienst Erhard Stackl schließlich im Zusammenhang mit den Mohammed-Karikaturen: Journalisten müssten Verantwortung für ihr Tun übernehmen, meinte der frühere OSZE-Medienbeauftragte Freimut Duve: "Ohne verantwortungsvollen Journalismus gibt es keine Demokratie." (Doris Priesching/DER STANDARD, PRintausgabe, 22.3.2006)

Artikel der Preisträger
Share if you care.