Land prüft Badeverbot für Musliminnen

21. März 2006, 18:59
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Das Badeverbot muslimischer Frauen in Ried wird jetzt von der Stelle für Antidiskriminierung geprüft - Linzer Vizebürgermeisterin plant Frauenabend

Linz/Ried - Der Badeabend für muslimische Frauen im Rieder Hallenbad wurde (vorerst) gestrichen. Die Bevölkerung hatte sich, wie im STANDARD berichtet, derart über dieses Privileg aufgeregt, dass der Pächter des Bades klein beigegeben hat. Was für die RiederInnen eine Bevorzugung war, könnte für die Antidiskriminierungsstelle des Landes Oberösterreichs ein Fall von Benachteiligung darstellen. Deren Leiterin Katja Hengerer "prüft die Sachlage".

Erst seit März dieses Jahres ist diese Stelle offiziell besetzt. Sie ist Bestandteil des oberösterreichischen Antidiskriminierungsgesetzes. Institutionen des Landes und der Gemeinden machen sich strafbar, wenn bei ihnen Personen etwa aufgrund ihrer Religion diskriminiert werden. Das Hallenbad in Ried im Innkreis wurde von der Gemeinde errichtet und anschließend verpachtet. Unter anderem bei Öffnungszeiten und Tarifen hat die Kommune aber noch ein Mitspracherecht.

Eine Riederin mit muslimischem Religionsbekenntnis hatte den Badebesuch organisiert. Sie hatte erfahren, dass alle zwei Wochen ein Tauchverein Montagabend zum Training ins Hallenbad kommt. Nur an diesem Wochentag schließt das Bad bereits um 18 Uhr. Abwechselnd gingen nun der Tauchverein und die Musliminnen schwimmen. Als die mit dem Pächter getroffenen Abmachung bekannt wurde, drohten Badegäste ihre Saisonkarte zurückzugeben, worauf der muslimische Badeabend gestrichen wurde. Jetzt dürfen nur noch die Taucher nach dem offiziellen Badeende montags ins Wasser springen.

Frauenbadeabend

Durch die Medienberichterstattung auf dieses Thema aufmerksam geworden, überlegt nun die Linzer SP-Vizebürgermeisterin Christiana Dolzal in der Landeshauptstadt einen Frauenbadeabend einzuführen. Den könnten alle jene Frauen nützen, die - aus welchen Gründen auch immer - lieber unter ihresgleichen bleiben wollen. Auch Musliminnen ist es gestattet, mit Frauen anderer Religionen schwimmen zu gehen.

Zuerst will Dolezal den Bedarf für ein solches Angebot erheben lassen. Als Ort käme das Hummelhofbad infrage, dies habe sich schon auf Sonderwünsche spezialisiert. So gibt es dort etwa einen FKK-Abend. Derzeit wird das Bad generalsaniert, ab Herbst soll es wieder geöffnet sein. (ker, DER STANDARD, Print, 21.3.2006)

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