Die Schattenseiten des Frühlings

21. März 2006, 19:33
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Der Frühling hat sich eingestellt und ein altes Problem wird virulent: Die Hinterlassenschaften der Hunde treten aus Eis und Schnee hervor

Der fröstelnd ersehnte Frühling ist da - jetzt werden "Sauberkeits-Offensiven" gestartet: Damit sollen Geschäftsstraßen wiederbelebt und die Spuren des Winters entfernt werden. Unterdessen regt sich neuer Unmut gegen die Hundstrümmerln.

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Dass er nicht hartnäckig war, kann man dem Winter nicht nachsagen - jetzt muss er aber wohl oder übel die Löffel abgeben. Der Frühling ist nicht nur kalendarisch, sondern auch wetter-und gefühlsmäßig da und mit der Temperatur steigt auch die Schanigarten- und Sonnenbrillendichte auf Wiens Straßen. Doch wer sich einen Lenz machen will, sollte vorher den obligaten Frühjahrsputz erledigen. So auch die Stadtregierung, die sich am Montag mit der ÖVP einen Wettlauf um die reinlichsten Konzepte zur Beseitigung des Schmutzes lieferte, der hinter trüben Fenstern und unter dem schmelzenden Schnee wartet.

Den Anfang machte Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank, die frühmorgens gemeinsam mit der Mariahilfer Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann (SP) antrat, um die angehende Säuberung der Gumpendorfer Straße zu demonstrieren. In einer Aktionswoche werden bis zum kommenden Freitag - unter Zuhilfenahme von Exstraftätern in Bewährungshilfe - leer stehende Geschäftslokale, aber auch Signalanlagen und Elektrokästen von Plakaten und Aufklebern befreit. "Durch Werbeplakate wird die ohnehin negative Auswirkung von leeren Lokalen auf die Geschäftsstraßen verdoppelt," begründet Jank die Aktion, die auf alle Einkaufsstraßen ausgeweitet werden soll.

Mehr als 100 Kehrmaschinen udn 1600 Straßenkehrer in Wien unterwegs

In ganz Wien sind in den nächsten Tagen mehr als 100 Kehrmaschinen und 1600 Straßenkehrer und Gärtner unterwegs, um die Spuren des Winters, allen voran den restlichen Streusplitt, zu entfernen und die Parks zum Erblühen zu bringen. Während der Verkehrsclub Österreich abermals darauf aufmerksam machte, dass die Feinstaubgrenzwerte bereits in zehn Städten an mehr als den erlaubten 30 Tagen überschritten wurden (Spitzenreiter sind Graz, Wien und Klagenfurt), hieß es aus dem Rathaus: "Alles was einen Besen hat, ist auf der Straße!"

Zudem wird die Bevölkerung aufgerufen, sich an der "Sauberkeits-Offensive" zu beteiligen: Unter dem Motto "Wien räumt auf! Mach mit!" soll das Reinlichkeitsbewusstsein gesteigert werden, indem Putzgeräte an Freiwillige verteilt werden.

Die Gunst des schönen Wetters nutzte auch VP-Sicherheitssprecher Wolfgang Ulm, um - bewaffnet mit Schaufel und Besen - die Hygienesünden der Stadtregierung im Rathauspark aufzuzeigen. Das Splitt-Einkehren dauere zu lange und die "dahindilettierende Stadtregierung" sei unfähig, "das Sauberkeitsproblem zu lösen".

Hundekot-Petition

Anstatt einer "Laisser-Faire-Politik" müssten Ärgernisse wie die nun vom Eis befreiten Hundstrümmerln "angepackt" werden. Und zwar am besten von einer Stadtwache, wie sie die Wiener ÖVP unermüdlich fordert. Diese sollte die Reinhaltung der Grünflächen überwachen und auch Organmandate ausstellen.

Die Umsetzung geltender Gesetze - auf öffentliches Hinterlassen von Häuferln stehen 700 Euro Strafe - fordert auch eine Wiener Elterninitiative, die auf hundekot.at Unterschriften für eine Petition an die Stadtregierung sammelt. Montagnachmittag brachten bereits mehr als 22.000 Menschen ihren Unmut über den Spießrutenlauf durch "verminte" Parks zum Ausdruck. In Wien gerieren rund 100.000 Tiere täglich geschätzte fünf bis zehn Tonnen Exkremente. (kri/DER STANDARD; Printausgabe, 21.3.2006)

Hundekot-Petition

hundekot.at

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