1. Juni 2006, 11:16
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Die Bildungslandschaft in Oberösterreich soll in Zukunft um eine Medizin-Universität und eine geisteswissenschaftliche Fakultät reicher werden. Einen Schulterschluss aller Landtagsparteien gibt es bereits.

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Linz – Wenn schon keine Elite- Uni, dann zumindest eine deutliche Expansion der Uni- Landschaft, so lautet der Tenor derzeit in Oberösterreich. Nachdem man gegenüber dem derzeit heftig diskutierten "Elite-Uni"-Standort Maria Gugging den Kürzern gezogen hatte, ist eine bereits seit Jahren köchelnde Diskussion neu aufgeflammt.

Oberösterreich will sich am Uni-Sektor neu positionieren. Gerne würde man in ferner Bildungs-Zukunft mit einer eignen geisteswissenschaftlichen Fakultät und einer Medizinuni glänzen. Geisteswissenschaftliches kann bereits im kleinen Rahmen seit Juni 2005 an der Theologischen Privatuniversität studiert werden, im Bereich der Medizin sind derzeit nur Praktika an zwei Lehrkrankenhäusern möglich.

Doch man hat Großes vor: "Wenn aufgrund der Problematik im Bereich des Medizinstudiums mittel- bis langfristig ein weiterer Standort diskutiert wird, ist Oberösterreich der Vorzug zu geben", stellt Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) klar. Er sei sich aber bewusst, dass dies "Zukunftsmusik bedeutet". Rückendeckung für die Uni-Pläne Pühringers kommt von allen anderen Landtagsparteien: Für SPÖ-Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger etwa sind die Pläne eine "langjährige Partei- Forderung" und die FPÖ hat erst vergangene Woche einen Initiativantrag für eine Medizinuni in den Landtag eingebracht.

"Bedarf ist vorhanden"

Grünes Licht kommt auch von den Grünen: "Man sollte jetzt überlegen, in welche Richtung sich die oberösterreichische Uni-Landschaft verändern will. Ein erster Schritt muss eine Diskussion über Organisation und Finanzierung sein", so der grüne Bildungssprecher Gottfried Hirtz im STANDARD-Gespräch. Der Antrag für eine geisteswissenschaftliche Fakultät wird derzeit im Bildungs-Unteraus schuss des Landtags behandelt. Ein erstes Gespräch mit den Linzer Uni-Rektoren sei, so Hirtz, bereits anberaumt.

"Möglich wäre ein Uni-Clustermodell, in das die Johannes Kepler, die Theologische und die Kunstuniversität eingebunden sind", so der grüne Bildungssprecher. Komplizierter dürfte sich der medizinische Bereich gestalten, denn laut Universitätsgesetz 2002 ist der Rang einer eigenen Uni gesetzlich vorgeben. Auch die Medizinuni beschäftigt derzeit den Landtags-Ausschuss.

Für Rudolf Ardelt, Rektor der Johannes Kepler Universität, wäre eine Medizinuni in Oberösterreich "sehr zu begrüßen". Der Bedarf sei vorhanden, "Attraktivitätsprobleme gegenüber Innsbruck oder Wien werden sich bei dem zu erwartenden Ansturm und den raren Plätzen nicht stellen", so Ardelt zum STANDARD. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.3.2006)

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