Grauenhafte Folgen bei Medikamenten-Test

16. März 2006, 20:05
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Sechs Probanden mit lebensgefährlichen Organleiden in der Intensivstation

London - Anfangs war es ein Medikamententest, wie sie in vielen Kliniken stattfinden. An acht gesunden Männern zwischen 18 und 40 Jahren, die sich am Sonntagabend auf dem Gelände des Northwick-Park-Krankenhauses im Nordwesten von London einzufinden hatten. In der gesonderten 36-Betten-Klinik der US-Firma Parexel ließen sie sich ein Medikament aus deutscher Entwicklung verabreichen, das zuvor nur an Tieren getestet worden war. Umgerechnet rund 2900 Euro sollte jeder dafür bekommen, das Mittel, das gegen Brustkrebs, multiple Sklerose und rheumatische Arthritis helfen sollte, auf sich wirken zu lassen.

Zwei der Männer hatten Glück: Sie bekamen anstelle des Präparats mit der Bezeichnung TGN 1412 nur ein wirkungsloses Placebo. Für die anderen wurde das Experiment, hinter dem das Würzburger Pharma-Unternehmen TeGenero steht, zur Katastrophe. Alle sechs lagen am Donnerstag auf der Intensivstation, zwei von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Diagnose: multiples Organversagen. Wenn Ärzte so etwas sagen, besteht häufig kaum noch Hoffnung.

Außerhalb der Klinik hat bisher keiner die Männer zu Gesicht bekommen. Aber die Angehörigen berichten von Gestalten, wie man sie sonst nur aus Horrorfilmen kennt. Die Gesichtsfarbe zwischen lila und gelb, der Nacken völlig aufgedunsen, die Köpfe bis auf die dreifache Größe geschwollen. "Mein Freund sieht aus wie der Elefantenmensch", berichtete die BBC-Angestellte Myfanwy Marshall schockiert.

Klagen vorbereitet

Der 23-jährige Raste Khan, einer der beiden Placebo-Patienten, berichtete, dass die anderen "wie Dominosteine umgekippt" seien. "Zuerst haben sie ihre Hemden ausgezogen, weil sie über Fieber klagten. Dann haben einige geschrien, dass ihre Köpfe gleich explodieren würden."

Mit dem Fall beschäftigt sich jetzt auch Scotland Yard. Die Polizei will gemeinsam mit der Medikamenten-Aufsichtsbehörde MRHA die Ursachen klären. Die ersten Angehörigen haben bereits eine Anwältin eingeschaltet, um eine Klage vorzubereiten. Trotz der 16-seitigen Freiwilligkeits-Erklärung, die alle Versuchspersonen unterschreiben mussten, rollen auf die beteiligten Konzerne Millionenforderungen zu. (Christoph Sator, dpa, DER STANDARD, Print, 17.3.2006)

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