Frankreichs Studenten marschieren

17. März 2006, 18:57
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Weiter Proteste gegen neuen Arbeitsvertrag

Tausende von Jugendlichen (leut Polizeiangaben waren es 247.500 ) sind am Donnerstag in zahlreichen in französischen Städten wieder auf die Straßen gegangen. Sie wollen Premierminister Dominique de Villepin? zur Rücknahme des neuen Arbeitsgesetzes zwingen. Der Vertrag über die Erstanstellung – "Contrat Première Embauche" (CPE) – gibt den Unternehmen die Möglichkeit, Berufseinsteiger bis zu 26 Jahre zwei Jahre lang zu testen und sie während dieser Dauer ohne Angabe von Gründen zu entlassen.

Die insgesamt 200 Demonstrationen von der Mittelmeermetropole Marseille bis Lille in Nordfrankreich verliefen in der Mehrzahl friedlich; vereinzelt kam es allerdings zu Ausschreitungen. Der interne Sicherheitsdienst und Polizisten in Zivil versuchten zum Teil vergeblich, kleinere Gruppen von Extremisten in Schach zu halten. In Paris umging der Umzug die Sorbonne-Universität, wo sich radikale Studenten und die Polizei in den vergangenen Tagen Gefechte geliefert hatten.

Der Protesttag galt als Hauptprobe vor einer Großkundgebung am Samstag, wenn sich Gewerkschaften und Linksparteien den Studenten und Mittelschülern anschließen wollen. Die Standpunkte erscheinen weiterhin unvereinbar: Die Demonstrierenden verlangen als Vorbedingung für Verhandlungen den Rückzug der umstrittenen Arbeitsmaßnahme. Die Regierung lehnt eine Rücknahme des CPE kategorisch ab.

Der Ausgang des Kraftaktes zwischen Studenten und Regierung bleibt damit offen. Eine Mehrheit der Bevölkerung von 62 Prozent stellt sich laut einer neuen Umfrage hinter die Studenten, während nur 24 Prozent der Franzosen den CPE ausdrücklich gut heißen. Umgekehrt scheinen die Studenten alles andere als geeint.

50 bis 63 der landesweit 84 Universitäten sind durch Streiks ganz oder teilweise blockiert. An verschiedenen Universitäten verhinderten CPE-Gegner interne Abstimmungen. Um weitere Ausschreitungen zu verhindern, riefen 46 Uni-Rektoren Premier Villepin zu Verhandlungen mit den CPE-Gegnern auf. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.3.2006)

Stefan Brändle aus Paris
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