Europäer essen weniger Hühner

17. März 2006, 16:12
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Angst vor Vogelgrippe verdirbt Europäern den Appetit auf Geflügel - Rückgangeim Konsum von bis zu 50 Prozent

Die Angst vor der Vogelgrippe verdirbt den Europäern den Appetit auf Geflügel. Drastische Rückgange im Konsum von bis zu 50 Prozent sind die Folge. In Österreich sind es 25 Prozent

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Brüssel/Wien/Innsbruck – Der Konsum von Geflügel ist in Österreich seit Ausbruch der Vogelgrippe dramatisch eingebrochen. Dies geht aus einer im EU-Rat erstellten Aufstellung hervor. Demnach ist der Verbrauch in Österreich generell um 25 Prozent zurückgegangen, der von ganzen Hühnern sogar um 40 Prozent. Nur in Italien und Griechenland ist der Rückgang mit 50 Prozent noch größer.

Aus Deutschland wird ein Einbruch um 20 Prozent gemeldet, in Frankreich, wo bereits ein Geflügelbetrieb betroffen war, um 30 Prozent. In sieben EU-Staaten (Estland, Litauen, Lettland, Malta, Finnland, Schweden und Großbritannien) zeigt sich der Geflügelmarkt jedoch stabil.

Überfüllte Lager

Der Preis ist in Österreich jedoch um 1,4 Prozent angestiegen. In den meisten anderen EU-Staaten gibt es zum Teil drastische Einbrüche, in Polen sogar um 33 Prozent, in Belgien um 25 Prozent.

In mehreren EU-Staaten gibt es auch anormale Lagerbestände von Geflügel wegen der Zurückhaltung der Konsumenten: In Deutschland haben sich schon 70.000 Tonnen Geflügelfleisch angesammelt, in Frankreich und Italien 50.000 Tonnen seit Februar.

Am Montag beraten die EU- Landwirtschaftsminister unter dem Vorsitz von Österreichs Minister Josef Pröll mit Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel darüber, wie die Produktionsrückgänge von Bauern durch den Ausbruch der Vogelgrippe kompensiert werden können. Bisher hat Italien 100 Millionen Euro als Hilfe für die Landwirte zur Verfügung gestellt, Frankreich hat 52 Millionen Euro als Unterstützung gewährt.

In Österreich ist zur Abwehr der Seuche selbst am Mittwoch im Tiroler Unterland an der Grenze zu Deutschland eine Schutz- und Überwachungszone für Geflügelbetriebe eingerichtet worden. Grund dafür ist eine mit H5N1 infizierte Wildente, die am bayerischen Innufer, direkt gegenüber der Tiroler Gemeinde Ebbs gefunden wurde.

Eierverkauf erlaubt

Für die 40 Geflügelhalter in der Schutz- und die 138 in der Überwachungszone, in der auch die Stadt Kufstein liegt, gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Für drei beziehungsweise vier Wochen dürfen weder lebendiges Geflügel noch Geflügelprodukte vom Betrieb verbracht werden; ausgenommen sind Eier.

Der Bevölkerung wurde empfohlen, Hunde an die Leine zu nehmen und Katzen nicht frei herumlaufen zu lassen, um einen Kontakt mit toten Wasservögeln zu verhindern.

Inzwischen hat die Vogelgrippe auch Dänemark erreicht. Das H5N1-Virus sei bei einem Bussard festgestellt worden, teilte das Verbraucherministerium in Kopenhagen am Donnerstag mit. Proben des Tieres wurden zur endgültigen Bestätigung an das EU-Referenzlabor im britischen Weybridge geschickt.

Die Arbeit in diesem Referenzlabor ist nun unter Kritik geraten. Wie viele andere Labors auch hält es einen Teil der Gen-Informationen über H5N1 zurück. Die italienische Expertin Ilaria Capua vom Instituto Zooprofilattico Sperimentale di Venezia hat jetzt an die Virologen der Welt appelliert, diese Informationen allen Wissenschaftern zugänglich zu machen. Das wäre entscheidend, um die Ausbreitung und die Entwicklung des Virus verstehen zu können, erklärte sie.

In Deutschland locken die Vogelgrippe-Fälle im westlichen Mittelfranken verstärkt Neugierige an. Das Landratsamt von Erlangen-Höchstadt sprach am Donnerstag vor einem "regelrechten Geflügelgrippe-Tourismus, der sich aus unerklärlichen Gründen seit Ausbruch des H5N1-Virus eingestellt hat". Als Konsequenz daraus soll nun ein Bereich um einen betroffenen Weiher gegen Besucher abgesperrt werden. (Alexandra Föderl-Schmid/Benedikt Sauer, DER STANDARD – Printausgabe, 17. März 2006)

  • Artikelbild
    foto: standard/matthias crember
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