Nun wird auch in der Türkei aufgetankt

9. Mai 2006, 13:47
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Um 884 Millionen sichert sich der Mineralölkonzern 34 Prozent am größten Zapfsäulenbetreiber des Landes, Petrol Ofisi

Wien/Istanbul - Die OMV hat auf dem Weg zu einer flächendeckenden Präsenz in Zentraleuropa bis zur kaspischen Region einen weiteren Puzzlestein gesetzt. Der Mineralölkonzern übernimmt vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden um 884 Mio. Euro 34 Prozent am größten Tankstellenbetreiber der Türkei, Petrol Ofisi.

Mit dem Einstieg in der Türkei bekommt die OMV zu den bestehenden rund 2400 Tankstellen weitere 3600 Zapfstationen dazu (siehe Grafik). Petrol Ofisi hält beispielsweise bei Diesel, dem meist verkauften Treibstoff in der Türkei, einen Marktanteil von rund 36 Prozent.

Das an der Börse Istanbul gelistete Unternehmen befindet sich derzeit mehrheitlich (86,7 Prozent) im Besitz der Dogan Holding, dem fünftgrößten Mischkonzern der Türkei (siehe Wissen). "Wir bringen das fachliche Wissen ein, Dogan gute Kontakte in der Türkei und im kaspischen Raum. Auch dorthin wollen wir uns gemeinsam entwickeln", sagte OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer dem STANDARD (siehe Interview). Mit einem Abschluss des Deals sei "im zweiten Quartal 2006" zu rechnen. Ab dann werde sich die Akquisition für die OMV auch gewinnsteigernd auswirken.

Gleichberechtigt

OMV und Dogan werden beide 34 Prozent an Petrol Ofisi halten und den Verwaltungsrat des Unternehmens mit jeweils vier Mitgliedern beschicken. In einem Syndikatsvertrag, der gestern, Montag, in Istanbul unterzeichnet wurde, sei das so festgehalten, sagte Ruttenstorfer.

Die restlichen Aktien, die von Dogan derzeit noch an Petrol Ofisi gehalten werden, seien als reines Finanzinvestment zu sehen. Diese Papiere seien vom Syndikatsvertrag nicht erfasst und könnten, müssten aber nicht über die Börse abgegeben werden.

Eine Kapitalerhöhung bei Petrol Ofisi stehe derzeit nicht an, ebenso wenig bei der OMV. Der Konzern will den den Einstieg bei Petrol Ofisi über den Cash-flow und Kredite bezahlen. Der Einstieg bei Petrol Ofisi kostet immerhin deutlich mehr als die Hälfte des 2004 erfolgten Mehrheitseinstiegs bei der rumänischen Petrom (1,5 Mrd. Euro).

Die Expansion in die Türkei "passt genau in die Wachstumstrategie der OMV, in den Wachstumsgürtel im Osten Europas zu investieren", sagte Ruttenstorfer. Während in Österreich etwa 503 Personen pro 1000 Einwohner über ein Auto verfügen, seien es in der Türkei erst 66. Neben dem Einstieg in das Tankstellengeschäft und dem möglichen gemeinsamen Bau einer Raffinerie seien auch die erwarteten Kontakte zu den rohstoffreichen Turkländern im kaspischen Raum ein wichtiger Beweggrund.

Ruttenstorfer sprach davon, dass das Energiegeschäft auch ein "Beziehungsgeschäft" sei. Dogan verfüge über beste Kontakte in der Region.

Wie berichtet plant die OMV zusammen mit Konsortialpartnern auch eine große, 4,6 Mrd. Euro teure Gaspipeline, die auch die Türkei queren soll. "Nabucco" soll ab 2011 Erdgas aus dem zentralasiatischen Raum nach Europa liefern.

Bereits im Vorjahr wollte die OMV den Schritt auf den türkischen Markt realisieren, und zwar im Zuge des Einstiegs bei der Raffineriegesellschaft Tupras. Der Preis war dann doch zu hoch, die OMV zog sich zurück uns forcierte die Gespräche mit der Dogan Holding.


WISSEN: Von Benzin bis Zeitung

Die Dogan Holding, benannt nach dem Gründer und Vorsitzenden Aydin Dogan, zählt zu den fünf größten Mischkonzernen der Türkei. Petrol Ofisi, mit mehr als 3600 Tankstellen Marktführer im Land und darüber hinaus auch im Vertrieb von Öl und Gas aktiv, ist nur eines aus einem bunten Bogen an Unternehmen und Aktivitäten unter dem Holdingdach.

Zur Gruppe gehören Finanzdienstleister wie Versicherungen genauso wie Industrieunternehmen, Handelsgesellschaften, Hotels. Eckpfeiler des Imperiums sind aber die Medien. Mit seinen neun Tageszeitungen kontrolliert der Konzern knapp 40 Prozent der türkischen Zeitungsauflage. Dazu gehören so auflagenstarke Titel wie Posta, Hürriyet, Milliyet und Radikal. Außerdem hält Dogan über sein Gemeinschaftsunternehmen DBR mit Burda (Deutschland) und Rizzoli (Italien) etwa 44 Prozent des türkischen Zeitschriftenmarkts.

Mit seien beiden TV-Sendern Kanal D und CNN Türk kommt Dogan auf 19 Prozent des türkischen Fernsehmarktes. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2006)

  • Österreichs teilverstaatlichter Mineralölkonzern greift in der Türkei zum Zapfhahn und läuft am Bosporus bald rot-weiß an, den Farben von Petrol Ofisi.
    foto: omv

    Österreichs teilverstaatlichter Mineralölkonzern greift in der Türkei zum Zapfhahn und läuft am Bosporus bald rot-weiß an, den Farben von Petrol Ofisi.

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