"Da kann uns niemand helfen"

21. März 2006, 02:20
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Andreas Ivanschitz nach der Niederlage gegen die Admira zur Lage Salzburgs und des österreichischen Fußballs generell

Salzburg/Wien - Andreas Ivanschitz hat das Problem von Red Bull Salzburg erkannt. "Uns fehlen die Punkte." Für ein 0:1 gegen Schlusslicht Admira bekommt man nämlich keine, das 0:4 vor einer Woche gegen Sturm hatte quasi die identen Auswirkungen. "Jeder von uns ist angefressen, wir beißen uns in den Hintern." Da wechselte der 22-jährige Teamkapitän im Winter von Meister Rapid nach Salzburg, er wurde deshalb von böswilligen Menschen "Geldsack" geheißen. Ivanschitz gab freilich "die tollen Perspektiven" als Grund an. Und jetzt der Jammer. "Die Perspektiven stimmen trotzdem. Das Umfeld ist hochprofessionell, das Potenzial der Mannschaft riesig." Ivanschitz gesteht aber ein, "dass das zu diesem Zeitpunkt ein wenig blöd klingt".

In der Tiefe

Die erste, als laut bis erbost einzustufende Reaktion seines Trainers Kurt Jara nach dem 0:1 konnte er durchaus nachvollziehen. Der kapierte einfach nicht, "dass diese hoch bezahlten Stars ihre Leistung nicht bringen. Es muss sich alles ändern, das hatte mit Fußball nichts zu tun." Ivanschitz sieht das, mit dem Abstand einer Nacht, nicht ganz so streng. "Das Spiel in die Tiefe klappt leider nicht. Wir müssen uns zusammenraufen, damit wir die hohen Ziele erreichen, die Erwartungen erfüllen können. Das geht Schritt für Schritt." Und dann sagte er, was gesagt werden soll: "Auch die Admira kann kicken, die Liga ist sehr ausgeglichen." Über die Höhe des nationalen Niveaus, das eher an eine Tiefe erinnert, wollte Ivanschitz nicht groß philosophieren. "Wir neigen traditionell dazu, uns schlechter zu machen, als wir tatsächlich sind."

Da drängt es sich förmlich auf, das unsägliche 0:2 im Länderspiel gegen Kanada zu besprechen. Ivanschitz hat es live erlitten. "Natürlich war es schlimm. Natürlich müssen wir mit Josef Hickersberger bei null anfangen. Als österreichischer Fußballer hast du keinen Grund, mit einem lächelnden Gesicht durch die Gegend zu gehen. Aber wir dürfen uns von der Depression nicht anstecken lassen. Die Problem des Fußballs könne nur wir Fußballer lösen. Dieser Verantwortung müssen wir uns bewusst sein, da kann uns niemand helfen. Ich persönlich fühle mich nicht überfordert." Abgesehen davon sei bis zur Euro 2008 "genügend Zeit, um doch etwas Vernünftiges zu schaffen".

Red Bull Salzburg hat nun zweimal Tabellenführer Austria vor sich. "Gewinnen wir zweimal, sind wir wieder mittendrin im Kampf um den Titel. Das ist eigentlich der Wahnsinn, die Chance lebt, denn nicht nur wir schwächelten zuletzt." Am 16. April tritt Ivanschitz im Hanappi-Stadion gegen Rapid an, er geht davon aus, "dass ich mich nicht irrtümlich in der falschen Kabine umziehe". Die Fans von der Westtribüne werden ihn bös schimpfen, das ist seine persönliche Perspektive. "Auch dieses Problem kann man nur selbst lösen." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 13.03.2006)

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    Andreas Ivanschitz musste sich gegen Michi Wagner kräftig wehren.

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