Erster Widerstand gegen Bawag-Verkäufe

16. Oktober 2006, 17:39
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Die offensive Strategie des neuen Bawag-Chefs, alles zu versilbern, was nicht zum Kerngeschäft der Bank gehört, stößt in ÖGB und Bawag auf ersten Widerstand

Wien – Die Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. wird für 2005 weniger Gewinn ausweisen, als ursprünglich angenommen. Zuletzt waren die Banker von rund 50 Mio. Euro ausgegangen – allerdings waren dieser Prognose noch Zahlen vom vorigen Oktober zugrunde gelegen. Die kostspieligen Folgen aus dem Refco-Kreditdebakel im Dezember (425 Mio. Euro) waren darin also nicht eingerechnet. Dazu kommen noch unvorhergesehene Steuerbelastungen.

Schlechte Karten hat daher auch 100-Prozent-Eigentümer ÖGB. Er hat in den vergangenen Jahren Dividenden von je 15 Mio. Euro kassiert; im Vorjahr, als die Bank nach Steuern 138 Mio. Euro Gewinn erwirtschaftet hatte, kamen 56 Mio. Euro als Sonderdividende dazu. "So viel Geld gibt es heuer nicht, so viel haben wir gar nicht verdient. Aber die übliche Summe wird der ÖGB schon bekommen", kommentiert ein Banker. Die Bilanz-Details erörtert der Aufsichtsrat Anfang April.

Zurückgepfiffen

In seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag hat er übrigens kaum über den Verkauf von Beteiligungen wie Stiefelkönig, Cosmos-Köck, Bösendorfer oder ATV plus debattiert. Das Schweigen des Vorstands hat auch seinen Grund: Mit seiner offensiven Informationspolitik und Strategie (alles verkaufen, was nicht zum Kerngeschäft gehört) hat sich Bawag-Chef Ewald Nowotny beim Eigentümer nicht nur Freunde gemacht. "In der Wirtschaft ist Ankündigungspolitik nicht angebracht, man sollte lieber im Stillen um den besten Preis verhandeln. Es ist nicht unsere Strategie, die Beteiligungsgesellschaften wie im Supermarkt ins Verkaufsregal zu stellen", sagt ein Kapitalvertreter dazu. Dort könnten Hannes Androsch mit Partnern einkaufen, er interessiert sich für Bösendorfer.

Nowotny, der "grundsätzlich sehr gut unterwegs" sei, habe die entsprechende "Signale vom Eigentümer nun verstanden", sagt der Bawag-Rat. Noch nicht angenommen haben sich die Aufsichtsräte der neuen Geschäftsverteilung im Vorstand. Dass im April eine Verkleinerung des Vorstands auf der Agenda stehen wird, ist unwahrscheinlich. Die Stimmen im ÖGB nach einer Reduzierung des achtköpfigen Vorstands werden jedenfalls immer lauter. Man gehe davon aus, dass die viertgrößte Bank Österreichs auch von vier bis fünf Managern geführt werden kann. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.3.2006)

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