Historisches Treffen zwischen Vatikan und Rabbinern

10. März 2006, 16:28
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"Schwieriger Dialog" - Umkehr im Verhältnis soll eingeleitet werden

Berlin - Zwischen dem Vatikan und den Rabbinern in Deutschland ist es am Donnerstag erstmals zu einem offiziellen Gespräch gekommen. Der Präsident der Vatikanischen Kommission für die Religiösen Beziehungen zum Judentum, Kardinal Walter Kasper, traf in Berlin mit den Geistlichen zusammen. Kasper und Landesrabbiner Henry G. Brandt, Präsident des Rabbinatskomitees in Deutschland, sprachen danach von einer historischen Begegnung. Bei einer öffentlichen Veranstaltung am Abend in der Katholischen Akademie umarmten sie sich unter dem Beifall mehrerer hundert Teilnehmer.

An dem Treffen hatten auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, sowie weitere Bischöfe teilgenommen. Huber und Kasper erinnerten an die vielfältigen Bemühungen in den christlichen Kirchen, nach der Katastrophe des Holocaust aus der Geschichte zu lernen und eine Umkehr im Verhältnis zu den Juden einzuleiten.

"Beleidigung der Würde des Menschen"

"Antisemitismus ist eine Beleidigung der Würde des Menschen und eine Beleidigung Gottes", betonte Kasper. "Der jüdisch-christliche Dialog ist ein schwieriger Dialog und wird ein schwieriger Dialog bleiben. Aber Unterschiede dürfen kein Vorwand für Feindschaft sein." Juden und Christen hätten zahlreiche gemeinsame Aufgaben, etwa beim Schutz des Lebens und der Familie oder in der Auseinandersetzung mit dem Terrorismus.

Rabbiner Brandt sagte, die Begegnung sei ein Durchbruch. "Das Rabbinat Deutschlands wird endlich als präsent und zuständig angesehen", erklärte er. Ströme von Blut hätten zwischen Juden und Christen in der Geschichte einen tiefen Abgrund gegraben. "Es ist die Zeit gekommen, eine Brücke zu schlagen", sagte Brandt. Die jüdischen Gemeinden mit ihrer viel geringeren Zahl und Kraft könnten dafür aber nur den kleineren Beitrag leisten.

Kardinal Lehmann sagte, die Bischöfe wollten neben den Kontakten zum Zentralrat der Juden in Deutschland die Beziehungen zur Gemeinschaft der Rabbiner vertiefen. Dabei solle auch über gemeinsame religiöse Aufgaben gesprochen werden. Das Gespräch solle nur der Startschuss für regelmäßige Begegnungen sein. Der Vorstand des Deutschen Koordinierungsrats (DKR) der 83 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, hatte das Treffen anlässlich der Woche der Brüderlichkeit organisiert. (APA/dpa)

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