Turboloch, ade

23. März 2006, 19:36
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Lader auch beim Benziner wieder in Mode

Es kann sehr schnell gehen, dass ein Autohersteller seine Dogmen umschmeißt und von einem Tag auf den anderen das Gegenteil verkündet: BMW baut nun doch einen Benzinmotor mit Turbolader, und ganz unerfahren ist man darin nun wirklich nicht. In den Achtzigerjahren ersparte man sich für den 745i die Entwicklung eines Achtzylinders, indem man den stärksten Sechszylinder mit Turbolader ausstattete. Auch in der Formel 1 gewann Nelson Piquet 1983 mit einem Turbomotor die WM.

Nachteil Turboloch

Doch die Nachteile lagen auf der Hand: Die Trägheit des Laders hatte wenig Drehmoment im unteren Drehzahlbereich zur Folge (Turboloch), und wegen der geringeren Grundverdichtung war der Wirkungsgrad schlechter - mit hohem Verbrauch als Konsequenz.

Diese beiden signifikanten Nachteile will man nun in den Griff bekommen haben. Und noch mehr: Zwei schlanke Turbolader (je einer für drei Zylinder) setzen so früh ein, dass bei dem Drei-Liter-Aggregat schon bei 1500 Touren 400 Nm zur Verfügung stehen. Damit erreicht nun auch ein Benzinmotor jenen gewaltigen Antritt, den bisher nur Diesel schafften.

Direkteinspritzung

Auch der naturgemäß höhere Verbrauch soll der Vergangenheit angehören. Eine spezielle Legierung der Turbinenräder verkraftet eine hohe Abgastemperatur, die immer wieder durch Einspritzung von zusätzlichem Kraftstoff abgesenkt werden musste. Die Direkteinspritzung trägt ebenfalls zu geringerem Verbrauch bei.

Auch andere Hersteller wie VW (Kombination Turbolader mit Kompressor) setzen zunehmend auf die Aufladetechnik beim Benziner, weil sie ein deutlich geringeres Gewicht im Vergleich zur Leistung ermöglicht (70 Kilogramm weniger beim BMW-Motor gegenüber einem ähnlich starken Vier-Liter-V8). (rs, AUTOMOBIL, 10.3.2006)

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Rudolf Skarics

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