Massenkarambolage: Unterschätzte Gefahr von Früh-Nebel

10. März 2006, 08:52
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Nebelunfälle häufen sich trotz neuer Sicherheitsmaßnahmen - Experten sehen in den Nebelwarntafeln nicht das Allheilmittel

Experten fordern schnellere Warnungen via Radio, Nebelwarntafeln funktionieren nicht als Allheilmittel bei Nebelunfällen

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Linz/Salzburg - Überhöhte Geschwindigkeit, Unachtsamkeit und plötzlich auftauchende Nebelwände: ein fatales Aufeinandertreffen, das auf Österreichs Autobahnen vor allem in Bereichen von Seen, Flüssen und niedrigen Tallagen allzu oft in Massenkarambolagen mit Toten und Verletzten endet.

Gefahr von (Früh-)Nebel

Allein die Bilanz dieser Woche zeigt die allzu häufig unterschätzte Gefahr von (Früh-)Nebel im Straßenverkehr: Eine Sichtweite von stellenweise nur zehn Metern änderte am Mittwochmorgen auf der Westautobahn (A1) im oberösterreichischen Seengebiet nichts am "Bleifuß" mancher Autofahrer. Im dichten Nebel kollidierten 18 Autos, zwei Personen wurden schwer verletzt. Der neuerliche Unfall passierte just in jenem Autobahnschnitt, der für die Häufigkeiten solcher Nebel-Karambolagen bereits berühmt-berüchtigt ist. So forderte dort ein Serienunfall Ende September 2002 sieben Menschenleben. Damals waren insgesamt fast 100 Autos in den Unfall verwickelt, 57 Personen erlitten Verletzungen.

"Schneller warnen"

Als Konsequenz wurden an der Westautobahn Warneinrichtungen wie etwa spezielle Bodenmarkierungen und vor allem Österreichs erste Nebelwarnanlage installiert. Die Sichtweite entlang des Autobahnabschnittes wird mit Geräten alle 600 Meter gemessen. Sobald ein bestimmter Wert unterschritten wird, werden entsprechende Hinweise auf Warntafeln aktiviert.

Nebelwarner

ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer sieht in den Nebelwarnern eine "wichtige Einrichtungen", wenn auch mit einer "Kehrseite". Die Anlagen seien erstens sehr kostenintensiv, das heißt "ein flächendeckender Einsatz scheint eher unrealistisch", so Hoffer. Darüber hinaus würden die Anlagen zu großräumig warnen: "Wenn ein Autofahrer zu früh gewarnt wird und dann kilometerlang keinen Nebel sieht, fühlt er sich gefrotzelt, steigt wieder aufs Gas und nähert sich unvorbereitet der Gefahr", warnt der Experte.

Man müsse die Autofahrer einerseits wachrütteln und zu einem "bewussteren, vorausschauenden Fahren" animieren, andererseits brauche man schnellere Warnmöglichkeiten. "Einfach und vor allem kostengünstig wäre ein zusätzlicher Radioalarm ähnlich der Geisterfahrermeldungen", fordert Hoffer. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 9.3.2006)

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    18 Fahrzeuge waren in den Serienunfall involviert

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