Berlusconi rät den Armen: "Macht es wie ich und verdient mehr Geld"

13. März 2006, 17:08
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Italiens reichster Mann will sich Reichtum selbst erarbeitet haben, verliert aber Prozess gegen Schriftsteller, die Gegenteiliges behaupten

Mailand - Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat für seine mittellosen Landsleute einen simplen Rat, wie sie der Armut entfliehen können: "Macht es wie ich und verdient mehr Geld", erklärte er am späten Montagabend in einem Fernsehinterview. Auf die Frage, wie die Regierung einem Arbeiter mit einem Einkommen von 1.500 Euro monatlich helfen könne, antwortete der reichste Mann Italiens: "Die Antwort des Geschäftsmannes Berlusconi ist: Versucht, mehr zu verdienen".

Er selbst habe in Supermärkten ausgeholfen und auf der Straße Papier gesammelt, um sein erstes Geld verdienen und den finanziellen Grundstock seines heutigen Medienimperiums zu legen. Das gesammelte Papier habe er zu Kugeln gerollt und als Ofenanzünder verkauft, fügte Berlusconi hinzu. "Wenn mir jemand eine Kamera gab, habe ich Fotos bei Beerdigungen und Hochzeiten gemacht, und Porträts aufgenommen", sagte er dem norditalienischen Sender Telelombardia.

Berlusconi muss sich im kommenden Monat einer Parlamentswahl stellen. Umfragen zufolge droht ihm dabei eine Niederlage gegen das Mitte-Links-Oppositionsbündnis von Romano Prodi. Eines der größten Probleme der Regierung Berlusconi ist die schwächelnde Wirtschaft des Landes.

Berlusconi verliert Prozess gegen zwei Bestsellerautoren

Berlusconi hat unterdessen einen Prozess gegen zwei Bestsellerautoren verloren, die Zweifel an der einwandfreien Herkunft seines Vermögens geäußert hatten. Die beiden Autoren Marco Travaglio und Elio Veltri sowie ihre Verleger hatten 2001 ein Buch mit dem Titel "Der Geruch des Geldes" veröffentlicht, dem zufolge der Reichtum des Medienunternehmers und Politikers hauptsächlich auf erpressten Geldern basiere. Berlusconi hatte daraufhin Schadensersatz in Höhe von zehn Millionen Euro verklagt.

Das Buch erregte Aufmerksamkeit, nachdem Travaglio in einer Fernsehshow zur Parlamentswahl im Mai 2001 aufgetreten war. Berlusconis Anwalt Fabio Lepri erklärte, es handle sich um "eine Ansammlung falscher Anspielungen wie im Fieberwahn". Ziel sei es gewesen, den Ruf Berlusconis zu Wahlkampfzeiten zu zerstören.

Ein Gericht in Rom bewertete, dass die beiden Autoren ihr Recht auf Kritik ausgeübt haben. Veltri, ein Abgeordneter der Opposition, sei hinzu von Artikel 68 der italienischen Verfassung über die Meinungsfreiheit der Parlamentarier geschützt. Travaglio ist ein angesehener Journalist der römischen Tageszeitung "La Repubblica", der seit Jahren einen scharfen Kampf gegen Berlusconis Verstrickungen zwischen Politik und wirtschaftlichen Interessen führt. (APA/Reuters)

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