20 Prozent weniger deutsche Türkei-Touristen erwartet

7. März 2006, 19:53
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Wegen Vogelgrippe und Karikaturenstreit - Auch Österreicher bei Buchungen zurückhaltend

Essen - Die Fälle von Vogelgrippe in der Türkei und der jüngste "Karikaturen-Streit" dürften nach Schätzungen des Essener Zentrums für Türkeistudien (ZfT) die Zahl der deutschen Urlauber in dem Reiseland vermutlich um 15 bis 20 Prozent nach unten drücken. Dies erklärte der Leiter des Zentrums, Faruk Sen - einen Tag vor Beginn der Internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin. Eine Mehrheit der befragten Reisebüros und Türkei-Veranstalter rechne allein auf Grund der Meldungen über die in der Türkei grassierende Vogelgrippe mit einen Buchungsrückgang von durchschnittlich 15 Prozent.

Weltmeisterschaft bremst Nachfrage

"Tatsächlich könnte dieser Rückgang aber noch deutlicher, um 20 Prozent, ausfallen, rechnet man die Verunsicherung über die jüngsten Auseinandersetzungen im Karikaturen-Streit, ein insgesamt zurückhaltendes Nachfrageverhalten angesichts der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland und die noch immer zurückhaltende Konsumneigung der Bundesbürger hinzu", führte Sen weiter aus.

Insgesamt erwartet der ZfT-Leiter, dass im laufenden Jahr an die vier Millionen deutsche Urlauber in die Türkei reisen werden. Im Vorjahr zählte die Türkei 4,9 Millionen Touristen aus Deutschland. 2005 kamen mehr als 20 Millionen Urlauber in die Türkei. Die Netto-Einnahmen aus dem Tourismus beliefen sich auf 15 Mrd. Dollar (12,6 Mrd. Euro).

Auch Österreicher lassen nach

Die Bundesrepublik gehört neben den GUS-Staaten und Großbritannien zu den wichtigsten ausländischen Quellmärkten des türkischen Tourismus, während die Türkei als Reiseziel der Österreicher mit einem Anteil von 6,6 Prozent nur an der vierten Stelle in der Beliebtheitskala der Auslandsdestinationen rangiert. Aber auch österreichische Türkei-Veranstalter wie Gulet oder Bentour klagen über zweistellige Buchungsrückgänge aufgrund der Vogelgrippe. Bei möglichen Auswirkungen hinsichtlich des Karikaturenstreits reagieren Österreichs Touristiker eher gelassen.

Nach Einschätzung von Sen hat die Türkei ihr Image als Billigziel "endgültig abgestreift". Reisen im mittleren Preissegment dominierten das Angebot ganz eindeutig und würden besonders von Familien mit Kindern und jungen Paaren nachgefragt. Die Zukunft liege für die türkische Reisewirtschaft im Qualitätstourismus, der eine Steigerung der Gästezahlen in der Zukunft bringen werde. Im Kultur- und Städtetourismus gebe es in der Türkei zudem noch große Wachstumspotenziale, meinte Sen.

Das deutsche Zentrum für Türkeistudien hat für ihre aktuelle Tourismus-Prognose eine Befragung von 50 Reisebüros durchgeführt, inklusive der sieben wichtigsten Türkei-Reiseveranstalter. Noch zu Jahresbeginn hatte das ZFT deutlich günstigere Prognosen veröffentlicht. (APA/AP/AFP)

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